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| Nikolausjazz 2010 |
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| Fotos: Hans Waldenmayr |
| Heiter-literarische Weinprobe 2010 |
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| Fotos: Hans Waldenmayr |

RNZ von Montag, 25. Oktober 2010
Literarische Häppchen, leckere Tröpfchen
Neunte Heiter-literarische Weinprobe vom Kulturkreis und Winzergenossenschaft mit der Literatengruppe "Oktafeder"
Von Stephanie Kuntermann
Schriesheim. Dieses Jahr habe es den kleinsten Herbst seit 25 Jahren gegeben. bemerkte Harald Weiss. Gegenüber 2008 sei 40 Prozent weniger Lesegut in den Bottichen gelandet. Schuld war das schlechte Wetter zur Zeit der Rebblüte, dazu kam ein verregneter Sommer. „Der 2010er wird aber ein guter Jahrgang. Die Winzer haben gute Arbeit geleistet', lobte der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft und sprach auch Bürgermeister Hansjörg H öfer an, der selbst Wein anbaut.
Bei der „Heiter-literarischen Welnprohe" führte Weiss neben Kulturkreis-Vorsitzendem Albert Kesseler durch das Programm und stellte insgesamt sechs Weine vor Vor allem den Gewürztraminer legte Weiss seinem Publikum im proppevollen Zehntkeller wärmstens ans Herz. Zum einen, weil es wegen der geringen Erntemengen von genau 811 Kilo wohl nur sehr wenig 2010er davon geben wird. Zum anderen weil mit dem 2009er ein hoch dekoriertes Tröpfchen ins Glas kam.
Ausgezeichnet wurde der satt goldgelbe Wein mit der Goldmedaille des Badisehen Weinbauverbands und dem Goldenen Preis der DLG-Bundeswelnprämierung. Von feiner Fruchtsäure, mit Aromen von Pfirsich, Aprikose und dem typischen Wildrosenduft, bildete der edle Tropfen den runden Abschluss der Probe, bei der sich aber auch die übrigen Weine nicht zu verstecken brauchten.
Etwa der samtige 2008er Spätburgunder Rotwein aus der Exclusiv-Serie, der wegen seiner langen Reifezeit im Barriquefass bislang noch nicht im Verkauf zu haben war. Er bildete den Auftakt zu den kleinen literarischen Häppchen, die immer nach der Vorstellung eines Weines gereicht wurden. Für diese Köstlichkeiten war die Literatengruppe „Oktafeder" zuständig, die fünf ihrer sieben Mitglieder zur Weinprobe entsandt hatte. Den Anfang machte Christoph von Burkersroda, der eine Kurzgeschichte über einen Mann vortrug, der im ständigen Kleinkrieg mit seiner Waage lag.
Aus der Feder des Dossenheimers stammte auch das Lied vom perfekten Mann, der die Frauen durch Verführungs- und Kochkünste ebenso begeistert wie durch völlig geräuschloses Schlafen. Den Frauen im Publikum gefiel's.
Helga Köbler-Stählin arbeitete danach die eheliche Debatte auf, die in der Frage gipfelte: „Wer fährt?". Im Publikum, das mit jedem Wein heiterer wurde, schien diese Frage jedenfalls geklärt zu sein, so dass man entspannt darüber lachen konnte. Nach einem würzigen Grauburgunder aus der Exclusiv-Serie, zu dem Weinkönigin Sonja in ihrem Trinkspruch einige Formulierungsvorschläge in blumiger Sprache beitrug, war es Zeit für Margit Ravens „Bettgeschichte", die die Erkenntnis vermittelte, dass eine knackige Kehrseite allein noch nicht glücklich macht.
Von zwei alten Tanten, die sich im Leben zwar nicht grün, im Tode aber durch zwei neben einander stehende Urnen vereint waren, berichtete Ludwig Mahner, dessen deftige Geschichte vom Wodkatrinker ebenfalls viel Beifall bekam. Letzter in der Runde war Alexander Rajcsányi mit seinem „Heideröslein". Zu guter Letzt bekam auch noch das Publikum sein Fett weg, als die fünf Literaten laut überlegten, welche besonderen Kunst-Kritiker gerne an einem solchen Abend teilnehmen.
Es war der Abschluss einer gelungenen Weinprobe. Der neunten übrigens, wodurch sich Weiss dazu hinreißen ließ, seinem Publikum für das nächste Mal etwas ganz Besonderes zu versprechen: „Zum zehnten Jubiläum bieten wir eine Zehner-Weinprobe an." Ein Blick zu WG-Vorstand Friedrich Ewald genügte, um dessen Einverständnis einzuholen, wie Weiss hinzufügte: „Er nickt, und damit ist es schon so gut wie beschlossen."
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"Heiter-literarische Weinprobe" 2010
am 22. Oktober 2010 um 20 Uhr im Zehntkeller
In diesem Jahr gehört zwischen den Weinproben mit Harald Weiss und den Weinhoheiten fünf von acht Autoren der Literatengruppe Oktafeder die Bühne:
Christoph von Burkersroda,
aus Dossenheim macht ein dramatisches "Geständnis", wobei seine Liebeslieder zur Gitarre nicht weniger gefühlsbetont sind.
Helga Köbler-Stählin
aus Mannheim kennt sich mit "Luftschlössern" und "Alten Mädchen" aus, doch bei einer "Spätlese" schenkt sie lieber einem Kellermeister ihr Vertrauen.
Margit Raven
aus Rimbach nimmt literarisch das Gericht eines Sternekochs auseinander, mit dem sie zuvor eine "Bettgeschichte" hatte.
Ludwig Mahner
aus Viernheim geht nicht ohne Probleme auf Reisen, ärgert sich mit zwei Tanten herum und warnt vor übermäßigem Alkohol.
Alexander Rajcsanyi
aus Sandhausen freut sich über sein "Heideröslein" und ein turbulentes "Hochzeitsfest".
So stellen sie sich auf ihrer Internetseite selbst vor:
"Als Gruppe "Oktafeder" laden wir zu Lesungen ein, oder besser: zu literarischen Programmen; kurzweilig, unterhaltsam, mit gefühlvollen und amüsanten Wortjonglagen. Wenn wir auf Literatour gehen, ist was geboten: In unseren Geschichten sind Leidenschaft und Panik, Liebe, Sehnsüchte und andere Zumutungen des Lebens angesiedelt. Orte werden beleuchtet, Menschen wird ins Herz gesehen. Das haben wir doch alles schon erlebt, sagt der Zuhörer, denkt der Leser und frohlockt. Eben drum, sagen wir: Ruhig mal in die eigene, schwere Seele blicken, von Angebeteten träumen, Höhenflüge wagen, vor Lachen die Bodenhaftung verlieren. Schmerz und Glück liegen ja so nah beisammen! Die Schauplätze unserer Fantasiewelten sind nicht weit von der Wirklichkeit entfernt. Kriminelle Energie entwickelt sich auch in der Heimat, soziale Brennpunkte liegen vor der Haustür. Figuren kommen wir, sogar im Supermarkt an der Ecke, auf die Schliche. Allzu menschliche Neurosen, Katzenjammer oder frischen Humor verwandeln wir Autoren in farbenfrohe Poesie, zu spannenden Angelegenheiten. Unsere Geschöpfe werden mit Feder und Stift gemalt, sind wie Modelle im Schaufenster. Da ist Raum für Neues, für Überraschendes!"
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| Vernissage "Reinraus" |
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| Fotos: Hans Waldenmayr |

MM Kultur von Donnerstag, 30. September 2010
Kunst: Philipp Morlock zeigt Kunstfreunden im Schriesheimer Museum Théo Kerg sehr unterschiedliche Innen- und Außenansichten
Sehr skurril, reduziert – und auch mutig
Von unserer Mitarbeiterin
Susanne Kaeppele
Ein eigentümlicher, schon bekannter
Wächter steht im Hof des Museums Théo Kerg in Schriesheim, aber diesmal ist er ein Portier, der ein seltsames Café bewacht. Seine Formen werden allmählich zum Erkennungsmerkmal des Bildhauers Philipp
Morlock, der auf einen erfolgreichen
Sommer in Mannheim zurückblicken
kann – wir erinnern nur an
das Einraumhaus auf dem Alten
Messplatz. Nun hat der Künstler den
Eingangsbereich des Schriesheimer
Museums vollständig in einen weißen
Raum umgewandelt, hat ihn zu
einer fremden architektonischen
Form aus Stahl und weißem Stoff gemacht.
Und an ihm hängen merkwürdig
verformte Töpfe und Kannen,
beleuchtet von Morlocks Straßenlaterne,
die eine Art Schattentheater
eröffnet.
Das geheime Thema dieser Ausstellung
scheint das Innen und Außen
zu sein, gleichermaßen architektonisch
und skulptural gedacht.
Im Obergeschoss präsentiert der
Künstler die gequetschten Blechrequisiten
eines verlorenen Alltags,
deren Farbe trotz Plattwalzen teilweise
erhalten ist, auf schlichten
Baubrettern. Das mutet sehr skurril,
sehr reduziert und mutig an.
Absolutheim der Form
Die Radikalität der Verweigerung,
die Absolutheit der Formen ohne
Volumen wird aber fast noch getoppt
durch das Sofa im Raum. Es
fungiert als Symbol für das Innen,
nämlich unseres Selbst. Wir werden
zu Ruhe und Reflektion aufgefordert,
zum Schweifenlassen der Gedanken,
zum Wandern an andere
Orte und Zeiten, wie sie die unterschiedlichen
Bezüge des Sofas nahe
legen: Der aktuelle hat seine Wurzeln
in Mauretanien. Aber Erna und
Lotte – so heißen die platten Kännchen– wollen mit uns Kaffee trinken! |

RNZett von Donnerstag, 30. September 2010
Allein im Café
Installative Ausstellung "Reinraus" von Philipp Morlock im Museum Théo Kerg
Von Julia Behrens
> Schriesheim. Lynn Schoene, die Leiterin des Museum Tho Kerg, zaubert immer wieder verblüffende Sonderausstellungen aus dem Ärmel: Diesmal hat sie den Mannheimer Künstler Philipp Morlock nach Schriesheim eingeladen, der das Fachwerkhaus an der Bergstraße mit ungewöhnlichen Skulpturen bespielt.
Bereits im Sommer sorgte Morlock mit dem „Einraumhaus" vor der Alten Feuerwache in Mannheim für Furore: Dort durften im Juli und August ausgewählte Sammler jeweils für einen kurzen Zeitraum ihre Lieblingswerke zeigen und lockten damit viele Besucher auf den Alten Messplatz. Die Ansammlung von Menschen und die Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre sind zentrales Thema des in Pforzheim geborenen Künstlers (1974), der an der Kunstakademie in Karlsruhe studierte. Aus materialstarken Reliefwänden, die Morlock 2009 in seiner Ausstellung „Agora" im Mannheimer Kunstverein zeigte, sind in Schriesheim meterhohe, in schmale Stahlrahmen gefasste Papiermembrane geworden, die im Erdgeschoss des Museums einen Raum im Raum bilden. Die Transparenz dieser Installation nimmt inhaltlich Bezug zur Halböffentlichkeit eines Cafés, in dem sich Einzelwesen ganz privat unter Leute mischen dürfen oder sich die Gäste und die Passanten auf der Straße - meist durch große Fensterfronten - gegenseitig beobachten können. Die Interaktion von Innerem und Äußerem sowohl im persönlichen wie im architektonischen Sinn wird zusätzlich symbolisiert durch gebrauchte, flachgepresste Töpfe und Pfannen, die innen und außen an den Wänden hängen. Diese verformten Utensilien, lie auch im Obergeschoss des Museums zu finden sind, verweisen auf anonyme Personen und tragen häufig Namen. Allerdings wirken sie trotz ihres Objet-trouvé-Charakters beliebiger als die eindrucksvollen, geschweißten Wagen-Figuren Morlocks, die vereinzelt auftauchen. Eine davon ist der „Nachtportier", der - aus der Serie der monumentalen Wächterskulpturen - den Eingang zu der sehenswerten Schau im Auge behält.
Info: Philipp Morlock, „Reinraus", bis 31. Oktober im Museum Théo Kerg, Talstraße 52, Schriesheim. Mi 17 bis 19, Sa und So 14 bis 17 Uhr.
Internet: www.kkschriesheim.de. Am 9. Oktober führt der Künstler um 15 Uhr durch die Ausstellung. |

MM von Montag, 27. September 2010
Schriesheim: Im Kerg-Museum wurde die Herbstausstellung des in Mannheim lebenden Künstlers Philipp Morlock eröffnet
Wo Töpfe und Teller Kunstwerke werden
Ebenso außergewöhnlich wie der aus Pforzheim stammende und in Mannheim lebende Künstler Philipp Morlock ist, so sehr erregen seine Installationen und Skulpturen Aufsehen. Er nutzt gewöhnliche, auch schon mal in der Küche gebrauchte Gegenstände, die längst von ihrem Besitzer aufgegeben wurden, und haucht ihnen wieder neue Persönlichkeit ein.
Das in der Mitte der Ausstellung stehende Sofa ist nicht allein Sitzgelegenheit, es ist eine Zeitmaschine zwischen hier und jetzt und einem fernen Kontinent. Kunsthistorikerin Katrin Heitlinger, die die Einführung in diese Ausstellung vornahm und gemeinsam mit den Weinhoheiten auf dem Sofa Platz nahm, verwies darauf, dass jeder Aufenthalt auf dem Sofa eine physikalische Unterbrechung von Bewegung durch den Raum bedeute und somit Stillstand.
Bewusst wähle der Künstler prägnante Gegenstände aus dem Alltag, schaffe Irritationspunkte und ermögliche so das Spiel „innen-außen" und „reinraus".
Dieses Spiel beginnt bereits im Eingangsbereich des Museums. Hat man das Scheunentor erreicht, muss der Besucher Acht geben, nicht gegen eine weiße Wand aus Japanpapier zulaufen. Ist man dann im Museum, erwartet den Besucher gleich die nächste Überraschung, denn jetzt steht man in einem Reliefraum, zu dem der Künstler den Innen- und den Außenraum verschmelzen lässt.
„Er hat im Museum temporär einen gedanklichen Raum geschaffen, worin sich der Besucher zurückziehen kann", erläuterte die Laudatorin und verglich ihn mit einem Kaffeehaus.
Und da darf auch die Straßenlaterne nicht fehlen, die in der Abendstunde diffuses Licht ins Innere des Kaffeehauses fluten lässt, einem aber auch den Weg nach Hause weist.
Was dem Besucher bei Eröffnung der Ausstellung besonders ins Auge fiel, waren die plattgewalzten Küchenutensilien wie Töpfe oder Deckel, Teller oder zusammengepresste Teekannen, die jeweils an Holzbalken angebracht sind. Die Laudatorin verwies darauf, dass die zerstörten Töpfe ihr Volumen jeweils auf die Rückseite der transparenten Wände Schatten projizieren, was dem Betrachter wie etwas Schwebendes vorkommt.
In einer anderen Arbeit greift Morlock die Geschichte der drei Räuber auf, die ein Waisenmädchen mitnahmen, und ergänzte diese mit realen Gangstern aus den dreißiger Jahren, in Form eines Glockenhuts.
In seinem Grußwort dankte Bürgermeister Hansjörg Höfer der Leiterin des Museums, Lynn Schoene, dafür, dass es ihr gelungen sei, einen so außergewöhnliche Künstler für das Kerg Museum zu gewinnen. Schoene hingegen gab den Dank an ihre Mitstreiter weiter, ohne deren Mitwirken eine derartig grandiose Ausstellung nicht machbar wäre. greg
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RNZ von Montag, 27. September 2010
Schriesheim hat jetzt einen "Nachtportie"
"Reinraus" ins Museum Théo Kerg: Seit gestern ist dort eine Ausstellung mit Werken von Philipp Morlock zu sehen
Schriesheim. (sk) Vor dem Museum Théo Kerg steht ein kolossaler schwarzer Sperrholz-Sockel, auf dem ein ebenfalls großzügig dimensioniertes Mittelding aus Mütze und Kinderwagen thront, der Eingang ist bis auf einen kleinen Durchlass mit Metallgerüsten verstellt, zwischen die weißes Japanpapier gespannt ist. Daran hängen platt gedrückte Töpfe oder Topfdeckel. Ein Korb mit Brezeln, Platten mit belegten Brötchen und verschiedene Schriesheimer Weine vervollständigen das Szenario, gehören aber nicht zum Oeuvre des Künstlers Philipp Morlock, sondern zur Vernissage, mit der gestern Morlocks Ausstellung „Reinraus" offiziell eröffnet wurde.
Bis auf die Brötchen und den Wein herrscht zunächst Unverständnis beim Publikum, worum es sich bei „Reinraus" handeln mag. Doch Kunsthistorikerin Karin Heitlinger bringt mit wohlgesetzten Worten ein wenig Licht ins Dunkel. Die Skulptur im Hof, so erfährt man, ist der „Nachtportier", der den Eingang bewacht. Die Stellwände dienen dazu, Innen und Außen zu verschmelzen, seien „eine Mischform aus Architektur und begehbarem Relief, die eine geometrische Formensprache mit der Leichtigkeit fernöstlicher Wohnarchitektur" verbinde und Parallelen zu Yves Kleins Immaterialität aufweise.
„Eine Raum-in-Raum-Installation", nennt sie Weinkönigin Sonja Meiser, die mit ihrem Trinkspruch noch einmal Bezug nimmt auf die draußen wartenden Weinflaschen. Die Wände seien eigens für die Ausstellung geschaffen worden, bemerkt Museumskuratorin Lynn Schoene, die den Mannheimer Künstler nach Schriesheim geholt hat. Sie habe einen Künstler gesucht, der auf die Räume in der ehemaligen Scheune eingehe. „Denn es sind sehr prägnante Räume mit einem eigenen Charakter, und der Künstler, der hier ausstellt, muss sich behaupten können." Das sei Morlock sehr gut gelungen, er habe mit seiner spannenden Installation Irritationspunkte geschaffen. Nicht zuletzt verweist Schoene auf die umfangreichen Vorbereitungen, die Künstler und Helfer immerhin eine ganze Woche Arbeit kosteten. Dabei dankt sie auch Bürgermeister Hansjörg Höfer für seine unbürokratische Unterstützung.
Der Schirmherr gibt den Dank zurück: "Lynn Schoene hat es ermöglicht, hier einen überregional bekannten Künstler zu präsentieren." Auch den zahlreichen Ehrenamtlichen, die den Betrieb des Museums ermöglichen, dankt Höfer.
Morlock, der an diesem Vormittag lieber seine Kunst sprechen lassen möchte, lädt die Hoheiten ein, auf einem seiner Werke Platz zu nehmen, dem "Zeitreisesofa". Es ist schwarz und erinnert mit seinem Gestell aus geschweißtem Stahlrohr an Bauhausmöbel. Das Möbel stehe für das Innehalten, die Zeit, die man zum Träumen nutzt. „Eine gedankliche Fortbewegung in dem Moment, wo man ins
Sitzen kommt", nennt es der Künstler im RNZ-Gespräch. Daneben sind Skulpturen zu sehen, die Kutschen darstellen und Reisen, Erinnerungen und bestimmte Personen verkörpern. Auch sie bilden das Motiv der Verschmelzung von Innen und Außen ab.
Als minimalistische Reliefs bezeichnet die Kunsthistorikerin schließlich das platte Kochgeschirr im Eingangsbereich, das die jüngste künstlerische Entwicklung kennzeichne, in deren Radikalität Morlock über bisherige Arbeiten hinausgehe. Die Töpfe und Pfannen haben, so erfährt man von Morlocks Künstlerkollegen Tom Feritsch, einen besonderen Bezug zu Schriesheim. Die nach ihren imaginären Besitzern benannten Werke Käthe, Hedwig, Suse, Klaus, Eva oder Gisela erhielten nämlich durch eine Straßenwalze von der Tunnelbau stelle ihre jetzige, eher zweidimensionale Form und entstanden durch die Zusammenarbeit mit einigen kunstinteressierten Bauarbeitern.
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RNZ von Samstag/Sonntag, 25./26. September 2010
Ein Ganove in rosafarbenem Lack
Philipp Morlock im Kerg-Museum: Am Sonntag wird seine Ausstellung "Reinraus" eröffnet
Schriesheim. (nam) Sie sehen aus wie schwarz lackierte Grabsteine mit vier Rädchen unten und einer Deichsel vorne dran: Sie heißen George Kelly Barnes, John Dillinger und Charles Arthur Floyd, nach drei berühmten amerikanischen Gangstern. „Wegen ihnen wurde das FBI gegründet", sagt Philipp Morlock. Wohlgemerkt wegen der Gangster, nicht wegen seiner gleichnamigen Skulpturen, die er ab Sonntag bis 31. Oktober im Kerg-Museum ausstellt.
Die Grundform besagten Trios erinnert an Postkutschen, und das ist durchaus so gewollt: Hier schließt sich die Assoziationskette zu "Gangster". Ein Kinderbuch, „Die drei Räuber", inspirierte Morlock zu dieser Kutschenkunst, wie er gestern bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellung erläuterte. Im Buch überfielen Ganoven Postkutschen, bis sie an eine gerieten, in der ein kleines Mädchen saß. Die Begegnung endete mit der Gründung eines Dorfs für Waisenkinder.
Jenes Mädchen ist nun auch in Schriesheim zugegen: Morlock hat einen seiner Kutschenganoven rosafarben angestrichen und ihm statt eines stilisierten Räuberhuts ein onduliertes Blech aufgesetzt, das an eine Frisur erinnert. Eine Entfremdung der historischen Persönlichkeit sozusagen. Denn die Ausstellung liefert die Lebensläufe der seinerzeit populären Ganoven direkt mit - in schiefen Schreibmaschinenzeilen samt Rechtschreibfehlern und in ihrer Detailliertheit fast voller stummer Anerkennung. Diese Kutschenganoven teilen sich das Obergeschoss des Kerg-Museums unter anderem mit „Eugen", „Lotte" und »Gustav". Diese Namen hat Morlock seinen Reliefs gegeben, also Objekten mit Tiefenwirkung, die aber nicht wie eine Skulptur im Raum stehen, sondern an der Wand hängen. Hier handelt es sich um plattgewalzte Töpfe und Kannen aus Email, die der Künstler an vertikale und horizontale Bretter genagelt hat. „Die Namen wurden im Nachhinein zugeordnet. Sie passen zu den Objekten", stellt er fest. Für ihn sind diese Assemblagen Porträts. Denn die Gegenstände haben eine Geschichte, haben Vorbesitzer, sind benutzt und abgelegt worden.
Insofern greift der zweite Teil der Ausstellung im Obergeschoss jenen im Eingang des Kerg-Museums auf. Auch dort finden sich diese platten Küchengegenstände, allerdings hängen sie an Drähten von den Wänden aus Papier seines „Cafés". Genau diese Kombination macht für Museumsleiterin Lynn Schoene den Reiz der Ausstellung aus: Zum einen die Materialien und Gegenstände der Werke, die schon häufig im Gebrauch waren. Zum anderen die Verfremdung der vertrauten Räume des Kerg-Museums. Morlock hat Wände eingezogen und neue Wegeführungen angelegt: "Diese Ein- und Ausgänge sind irritierend und spannend", sagt Schoene.
Wer glatte Ästhetik erwartet, wird hier enttäuscht. Die Schönheit dieser Kunst ist eher in den Gedanken zu suchen, die um sie kreisen.
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MM von Freitag, 24. September 2010 von Konstantin Gross
Und im Museumshof wacht der Portier
Am Sonntag startet die Herbstausstellung im Museum Theo Kerg / Gestaltet vom Mannheimer Bildhauer Philipp Morlock
Schriesheim. Die traditionelle Herbstausstellung im Schriesheimer Museum Théo Kerg, die am Sonntag offiziell eröffnet wird, steht diesmal unter dem Motto "reinraus" und wird von dem in Mannheim lebenden Bildhauer und Heinrich-Vetter-Preis-Träger von 2009, Philipp Morlock, gestaltet.
Morlock wird in Schriesheim eine ganz neue und eigens für das hiesige Museum entworfene Raum-im-Raum Installation errichten. Die Ausstellung setzt damit die Idee des "Einraumhauses" fort, das bis vor kurzem auf dem Alten Messplatz in Mannheim zu sehen war, dort einiges Aufsehen erregt hat und bald auch in Stuttgart aufgestellt wird.
In Mannheim erschloss Philipp Morlock mit seinem mobilen Ausstellungsraum Einraumhaus von Juli bis August den als öde und trostlos empfundenen Schotterbereich des Alten Messplatzes und verwandelte ihn in einen Treffpunkt für Kunstschaffende und Kunstinteressierte.
Umgekehrt verwandelte er im Herbst vergangenen Jahres die Ausstellungshalle des renommierten Mannheimer Kunstvereins in der Augusta-Anlage monatelang in einen Versammlungsort von Plastiken und Besuchern. Sein Ziel dabei immer: Das Innere und das Äußere, das Private und das Öffentliche miteinander zu verschränken.
Installation auf dem Vorplatz
Im Schriesheim wird sich allerdings die Hauptinstallation im Inneren des Museums finden. Als Ausgleich wird auf dem Museumsvorplatz, ähnlich wie beim Einraumhaus, eine Großplastik, der Wächter, stehen, die in dieser Woche geliefert und aufgestellt wurde.
Nachdem sich die Besucher an der geheimnisvollen Skulptur dieses Portiers in die Scheune des Museums Théo Kerg vorbei gestohlen haben, sollen ihnen im ersten Obergeschoss personifizierte Reliefs Geschichten von Menschen erzählen, welche die verarbeiteten Gegenstände einst nutzten.
Auch diese von der Vergangenheit gezeichneten und biographisch aufgeladenen Abstraktionen und Abbilder von Personen aus Türen, Wänden und anderen Dingen des alltäglichen Gebrauchs veröffentlichen Privates und spielen mit dem Gegensatz von Innen und Außen. Tee trinken bei Erna oder zu Abend essen mit Michael, lautet das Motto.
Um sich von dieser reichhaltigen Seelenschau zu erholen oder vielleicht sogar vor ihr zu fliehen, stellt Morlock zwischen den Darstellungen der menschlichen Existenz eine Zeitmaschine in Form eines Sofas zur Verfügung, das die Besucher bei ihrer gedanklichen Reise nicht nur in entfernte Länder, sondern auch in unerreichbare Zeiten trägt. So können die Besucher den bewegten Stillstand genießen, bevor und während sie sich weiter auf die Reise durch entlegene Zeiten begeben.
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Philipp Morlock „Reinraus“
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Philipp Morlock
Foto: Nadia Amiralai
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Sonderausstellung im Museum Théo Kerg: 26. September – 31.Oktober 2010
Vernissage: Sonntag, 26. September 2010, 11 Uhr
Begrüßung: Bürgermeister Hansjörg Höfer
Einführung: Katrin Heitlinger, Kunsthistorikerin
Öffnungszeiten: Sa + So: 14 -17 Uhr, Mi: 17 -19 Uhr und nach Vereinbarung
Museum Théo Kerg, Talstraße 52, 69198 Schriesheim a.d. Bergstraße
Kontakt: museum@kk-schriesheim.de, Fon/Fax: 06203 952819
„Reinraus – Exhibition: Exterior – Interior“
Philipp Morlock lädt zur öffentlichen Verinnerlichung und damit zur Stabilisierung des Selbst.
Reflektierst Du noch oder staunst Du schon? Begegnen Sie Ihrem Inneren im Museum Théo Kerg! Das stabilisiert und befreit. Hier ist für Sie ein abstrakt konstruierter öffentlicher Raum reserviert, der mindestens so faszinierend wie transparent ist. Die Außenhaut der begehbaren Skulptur ist auf subtile Weise mit Gegenständen und Erinnerungsstücken der menschlichen Existenz bestückt, welche die wichtigen Hinterlassenschaften unterschiedlichster persönlicher Lebensereignisse und längst verblasster Erinnerungen reflektieren. Außerdem durchbrechen Ein- und Ausgänge, strukturelle Öffnungen sowie eine Straßenlaterne die Fassade und bieten so ein weiteres Wechselspiel von Innen und Außen, von Privatem und Öffentlichem. Erst durch Ihre Begehung und den Gebrauch durch Sie wird das Kunstwerk vollendet, denn nur auf diese Weise werden verzerrte Schemen Ihrer Selbst in Schatten aus dem Inneren auf das Äußere projiziert, das so fortwährender Veränderung unterliegt. Und erst wenn es bei Ihnen zu Hause steht, wird die Verflechtung von Privatem und Öffentlichem vervollständigt: Besinnen Sie sich auf sich selbst in einem abstrakten öffentlichen Raum, der sich in Ihrem privaten Reich befindet! Während Sie sich auf Ihr Inneres zurückziehen, erleben Sie die Atmosphäre eines Cafés in seiner Abstraktion.
In einer solchen Radikalität, das Innere und das Äußere, das Private und das Öffentliche zu verschränken, unternahm Philipp Morlock bereits in seinen jüngsten Ausstellungen unter den Titeln Agora im Kunstverein Mannheim und Einraumhaus c/o Mannheim: Von September bis November 2009 verwandelte er die Ausstellungshalle des Kunstvereins in einen Versammlungsort von Plastiken und Besuchern. Umgekehrt erschloss er mit seinem mobilen Ausstellungsraum Einraumhaus von Juli bis August 2010 den als öde und trostlos empfundenen Schotterbereich des Alten Messplatzes in Mannheim und transformierte ihn in einen Treffpunkt für Kunstschaffende und Kunstinteressierte. Durch die jeweilige Ermöglichung von Aufenthalt und Interaktion gelang es Morlock, die Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem nicht nur zu verwischen, sondern gänzlich aufzulösen.
Nachdem Sie sich an der geheimnisvollen Skulptur eines Portiers des Bildhauers Morlock in die Scheune des Museums Théo Kerg vorbei gestohlen haben, um sich Selbst zu finden, erzählen Ihnen im ersten Obergeschoss personifizierte Reliefs Geschichten von Menschen, welche die verarbeiteten Gegenstände einst nutzten. Auch diese von der Vergangenheit gezeichneten und biographisch aufgeladenen Abstraktionen und Abbilder von Personen bestehend aus Türen, Wänden und Dingen des alltäglichen Gebrauchs veröffentlichen Privates und spielen mit dem Gegensatz von Innen und Außen. Trinken Sie Tee bei Erna oder essen Sie mit Michael zu Abend! Beide freuen sich über Ihren Besuch!
Um sich von dieser reichhaltigen Seelenschau zu erholen oder gar vor Ihr zu fliehen, stellt Morlock Ihnen zwischen den Darstellungen der menschlichen Existenz eine Zeitmaschine in Form eines Sofas zur Verfügung, die Sie bei Ihrer gedanklichen Reise nicht nur in entfernte Länder, sondern in ebenso unerreichbar anmutende Zeiten trägt. So können Sie den bewegten Stillstand genießen, bevor und während Sie sich weiter auf die Reise durch entlegene Zeiten begeben.
Steigen Sie ein und nehmen Sie Platz! Harren Sie in phantasievoller Bewegung aus! Genießen Sie den mobilen Stillstand vor der nächsten Reise! Oder gehen Sie doch in Zukunft alleine zu Hause ins Café!
Text: Christopher Kroll
| Philipp Morlock |
| 1974 |
geboren in Pforzheim |
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lebt und arbeitet in Mannheim |
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| Ausbildung |
| 1998-2003 |
Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe
bei Prof. Andreas Slominski und Prof. Harald Klingelhöller |
| 2003-2004 |
Meisterschüler bei Prof. Harald Klingelhöller |
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| Auszeichnungen |
| 2009 |
Heinrich-Vetter-Preis für Bildende Kunst |
| 2008 |
Daniel-Henry-Kahnweiler-Förderpreis |
| 2005 |
Stipendium ‘Junge Kunst in Essen’ |
| 2004 |
Landesgraduierten Stipendium des Landes Baden-Württemberg |
| 2002-04 |
Studienstiftung des Deutschen Volkes |
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| Einzelausstellungen |
| 2010 |
Reinraus, Theo Kerg Museum, Schriesheim, D |
| 2010 |
Einraumhaus c/o Mannheim, c/o Stuttgart, D |
| 2010 |
Erfolgreich Basteln, Werken, Spielen, Strümpfe Mannheim, D |
| 2009 |
Agora Kunstverein Mannheim, D |
| 2009 |
Agora Kunstverein Mannheim, D
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| 2009 |
Tour 09 Karlsruhe, Stuttgart, Mannheim, D |
| 2009 |
Wandermönche Kunstverein Schallstadt, D |
| 2008 |
Mantelabteilung Kunstverein Mönchengladbach MMIII, D |
| 2008 |
schnelle Frauen schöne Autos Kunstverein Pforzheim, D |
| 2007 |
Wo ist Inge? Galerie Iris Kadel, Karlsruhe, D |
| 2006 |
Ich bin schon da Kunsthaus Essen, D |
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| Gruppenausstellungen |
| 2010 |
HOT SPOT, Galerie Abtart, Stuttgart, D |
| 2010 |
Regionale, Hackmuseum Ludwigshafen, D |
| 2009 |
Artscout one, Mannheim, D |
| 2009 |
Was sonst soll ich lieben wenn nicht das Rätsel? Neuer Kunstverein Aschaffenburg, D |
| 2009 |
Preview, Forsthausvilla Karlsruhe,D |
| 2008 |
Kahnweiler-Kunstpreis, Städtische Galerie, Rockenhausen, D |
| 2008 |
Lange Nacht der Museen, BASF-Gesellschaftshaus Ludwigshafen, D |
| 2006 |
E.G.O Kunstpreis, Städtische Galerie Balingen, D
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| 2006 |
1.Biennale für Zeitgenössische Kunst/Metropolregion Rhein-Neckar, Mannheim, D |
| 2005 |
Schulweg Kunsthaus Essen, D |
| 2004 |
Lokaltermin Haus der Kunststiftung Baden-Württemberg, D |
| 2004 |
TOP04 Meisterschülerausstellung Kunstverein Pforzheim, D |
| 2003 |
here we come Kunst- und Ausstellungshalle Bonn, D |
| 2003 |
Studierende der Staatlichen Akademie Karlsruhe, Kunstverein Schwäbisch Hall, D |
| 2003 |
rollrasen Donaupark Tuttlingen, D |

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| Straßenfestsplitter |
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| Fotos: Hans Waldenmayr |

RNZ von Dienstag, 1. Juni 2010 von Carsten Blaue
Ciao "Piazza del Popolo"!
Der Kulturkreis wird beim Straßenfest wieder mit einer Straußwirtschaft dabei sein - Italienisches im "Strahlenberger Hof"
Schriesheim.Es war eine böse Überraschung im Juli vergangenen Jahres, als der Kulturkreis (KKS) mitteilte, seine „Bodega" beim Straßenfest sei am Ende. Schriesheims Kulturschaffende bekamen den Fleckschen Hof in der Oberstadt nicht mehr. Und die rot-gelb-rote Straußwirtschaft an anderer Stelle? Nicht vorstellbar. Also hieß es damals „Hasta la vista, Bodega". Eine Erfolgsgeschichte, eine lange gepflegte Tradition fand ihr jähes Ende. Doch Albert Kesseler, der KKSVorsitzende, hatte gleich gesagt, dass sich sein Verein etwas Nettes einfallen lassen werde. Man wolle auch künftig seinen Beitrag zum Straßenfest leisten. Der Worte folgen nun Taten. Nach nur einem Jahr Pause ist der KKS im September wieder mit einer Straußwirtschaft dabei, und die wird grün-weiß-rot: Ciao, "Piazza del Popolo"!
Der KKS wird seine Gäste beim Straßenfest also künftig nach bella ltalia entführen. Das gab Albert Kesseler am Samstagabend am Rande der „Gipsy Music" im evangelischen Kirchgarten bekannt. Der Kulturkreis bezieht dafür eine der besten Adressen der Stadt, nämlich den lauschigen Innenhof des "Strahlenberger Hofs" von Sternekoch Jürgen Schneider: „Wir sind der Familie Schneider zu großem Dank verpflichtet", unterstrich Kesseler. "Kein Problem", sagte gestern Susanne Schneider auf Anfrage. „Wir werden in dieser Zeit sowieso Betriebsferien haben. Für kurze Zeit stand hinter der neuen Adresse des KKS während des Straßenfestes ein Fragezeichen, hatten die Schneiders just für das erste September-Wochenende doch die Option für eine Hochzeitsgesellschaft im Kalender stehen. Dieses Fest wird nun jedoch eine Woche später im Sterne-Restaurant gefeiert. So kann aus dem Hof die „Piazza" des Kulturkreises werden.
Und obwohl sich der KKS dabei in höchstem kulinarischen Umfeld bewegt, werden die engagierten Vereinsmitglieder natürlich selbst für Speisen und Getränke sorgen: „Selbstverständlich kochen wir selbst" betonte Kesseler. Italienische Weine, italienische Köstlichkeiten bei hoffentlich noch sommerlichen Temperaturen: Und das an einem der urig-gemütlichsten Orte der Stadt, der für die Zeit des Straßenfestes nach einem der berühmtesten Plätze Roms benannt wird. Das verspricht la dolce vita pur. Grazie, KKS! |

| Kinderworkshop "Kerg-Blau und Sonnen-Gelb" |
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| Fotos: Gunda Kupfer |

| RNZ von Mittwoch, 21. Juli 2010
„Viele kleine Kergs“ hingen im Museum
Vernissage zum Kinderworkshop „Vom Kerg-Blau zum Sonnen-Gelb“ – Dieser hatte erstmals eine Patin: Birgit Ibach-Höfer
Von Carsten Blaue
Schriesheim. Da hingen sie nun, die „vielen kleinen Kergs“. Mit dieser Beschreibung lag VHS-Leiter Frank Röger nicht
falsch: „Die Früchte Kergs reifen weiter.“
Er begrüßte am Sonntag die Gäste zur
Vernissage des Kinder-Druckworkshops
„Vom Kerg-Blau zum Sonnen-Gelb“ im
Foyer des Museums Théo Kerg. Und auch
dieses Jahr waren es vor allem die Mütter
und Väter, die der Einladung zur Werkschau der jungen Künstlerinnen im Alter
zwischen sechs und zwölf Jahren gefolgt
waren. Sehr schade war das. Die Kinder
und ihre Arbeiten hätten eine breitere
Aufmerksamkeit verdient gehabt.
Künstlerin Lynn Schoene, die das
Kerg-Museum leitet, verteilte gleich mal
ein „dickes Lob“ an die neun Mädchen,
die ihre farbigen Druckergebnisse präsentierten. Diese waren das Ergebnis eines
Tages voller kreativer Schaffenskraft.
Schoene, die den Workshop gemeinsam
mit ihrer Kollegin, der Künstlerin und
VHS-Dozentin Gunda Kupfer, leitete,
hatte die Kinder morgens zunächst durch
das Kerg-Museum geführt. Eine kindgerechte Annäherung an die Werke des Luxemburgers war gefragt – und zwar sowohl inhaltlich, als auch handwerklich.
So lagen die Kinder schnell mit Block
und Blei auf dem Boden und skizzierten
Kerg’sche Details, von denen sie sich später im Haus der VHS würden inspirieren
lassen. Dabei war der Holzschnitt die
Technik für die Älteren. Die Jüngeren
durften sich in Styropordruck und Monotypie versuchen. „Und wenn wir nicht irgendwann aufgehört hätten, würden sie
jetzt noch drucken“, sagte Schoene.
Geradezu enthusiastisch waren die
Mädchen bei der Sache. Nach dem Erleben des Museums näherten sie sich unbekümmert und unvoreingenommen ihrer
eigenen Kunstfertigkeit an: „Ich bin stolz
auf alle Kinder“, sagte Kupfer mit einem
zufriedenen Lächeln. Und bei aller Euphorie haben die Mädchen auch aufgepasst. Keines verletzte sich mit den scharfen Messern für die Holzschnitte. Und
auch bei der Vorbereitung der Styroporplatten mit dem Falzbeil gab es keine Unfälle zu beklagen. Ungetrübt war also die
Freude über die Arbeitsergebnisse des
Workshops, den der Kulturkreis und die VHS stets in Kooperation anbieten. Neu
war dieses Jahr, dass es eine Patin gab für
die kreativen Stunden, und zwar Birgit
Ibach-Höfer, die Frau des Bürgermeisters. Patin oder Schirmherrin: Im Grunde
ist das in Schriesheim ja das Gleiche. So
gab es von Röger für Ibach-Höfer den beliebten VHS-Schirm als Dank.
Die Gattin von Hansjörg Höferwar begeistert von dem Workshop. Zu beobachten, wie vertieft die Kinder im Kerg-Museum ihre Skizzen machten, hatte sie
sehr beeindruckt. Geradezu fasziniert
war sie von der Begeisterung, die die Kinder bei ihrer künstlerischen Tätigkeit an
den Tag legten: „Das Ergebnis sind echte
Kunstwerke. Die Kinder waren spontan
und angstfrei. Dabei ist es bei der Erstellung einer Druckvorlage nicht einfach zu
entscheiden, was stehen bleibt und was man wegnimmt. Da war die Anleitung
der Dozentinnen natürlich wichtig. Sie
haben das hervorragend gemacht“, so Birgit Ibach-Höfer.
Sophie Brand (acht Jahre) machte
Geometrisches und Figürliches wie eine
Palme und einen Vogel zum Gegenstand
ihrer Arbeiten. Helen Wink (11) schnitt einen Fisch in ihre Druckvorlage. Auch bei
Sonja Bähr (12) waren Fragmente aus Arbeiten Théo Kergs nachweisbar. Gedrückte oder geriebene Strukturen, Formen,
Buchstaben, Pfeile: Alles war in den Arbeiten der Workshop-Teilnehmerinnen
zu finden und erinnerte stark an Originale des Luxemburgers. „Die Kinder erzählten ihren Eltern auch, was sie inhaltlich
im Kerg-Museum gelernt haben.“ Selbst
den schweren Themen in den Arbeiten
Kergs wie in „Die schwarze Sonne von Hiroshima“ haben sich die jungen Künstlerinnen geöffnet, wie Schoene berichtete.
Von beeindruckender Farbigkeit waren die Arbeiten von ElinaWolf (7), Finya
Plass (6) und Nike Kupfer (8). Neben ihren Einzelarbeiten schuf sie mit Florentina Tonko (8) sogar ein Gemeinschaftswerk. Dominant waren hier geometrische
Formen. Während auch Helen Bonifer
(12) einen Vogel als Inhalt ihrer Drucke
wählte, dominierten in den Blättern Sarina Ölschlägers (12) die drei Buchstaben
E, O und S sowie ein Oval. „Und wir hätten von allen noch viel mehr Arbeiten gehabt“, sagte Lynn Schoene. Fix und fertig sei sie nach den Workshop-Stunden
gewesen. Ein Befinden, das sie spätnachmittags mit Kupfer ebenso teilte wie ihr
Glück über die Resultate, diese „vielen
kleinen Kergs“. |

| "Schriesheim jazZt" in Bildern |
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| Fotos: Hans Waldenmayr |

RNZ von Montag, 12. Juli 2010
Das war ein Hochgenuss
Wirte bei "Schriesheim jazZt"
Schriesheim. (sk) Während die "Lightshy" Latinband ihren Instrumenten Klänge wie im legendären Buena Vista Social Club entlockt, weht zum ersten Mal am Abend ein laues Lüftlein durch den evangelischen Kirchgarten. Die Besucher von "Schriesheim jazZt", die hier Station machen, nehmen es dankbar zur Kenntnis, ist es hier doch den ganzen Abend über proppevoll.
Das liegt zum einen an der besonderen Atmosphäre, zum anderen aber auch an der stimmigen Mischung aus lateinamerikanischer Musik und dazu passener Gastronomie. Die Bewirtung übernimmt hier erstmals das Kaffeehaus Ladenburg, dessen Team die Leckereien aus der Küche auf die Musik abstimmt - und mit einer defekten Spülmaschine dafür sorgt, dass drei Mal komplett der Strom wegbleibt. Macht aber nichts. Das Problem wird behoben, und der Genuss ging weiter. So gibt es Grillspieße oder knackige, leicht scharfe Merguez-Lammbratwürste zu einem Gartensalat. Für Abkühlung sorgen dazu San-Miguel-Bier oder portugiesischer Vinho Verde, die bis Mitternacht im Partyzelt am Eingang des Kirchgartns über den Tresen gehen.
Ein kulinarisches und musikalisches Kontrastprogramm erwartet die Gäste am Historischen Rathaus. Zur Musik der "Brass Punk Maniacs" gibt es vom Kaffeehaus Steinofenbaguettes oder einen Salat mit würzigen Putenbruststreifen. Ins Glas kommt dazu ein frischer Weißburgunder, der hervorragend zum lauen Sommerabend passt. Einen spritzigen roten Secco von Winzer Georg Bielig bekommt man im Hof der Küferei Hauser in der Oberstadt. Daneben gibt es Merlot, Grau- und Weißburgunder. Die Küche ist hier französisch, was irgendwie zu jeder Musik passt, auch zu den gediegenen Klängen des "Bassface Swing Trio". "Bei uns ist alles selbst gemacht", sagt Jutta Schneider-Winterscheid von "Flammi" aus Weinheim stolz. "Alles", das sind an diesem Abend hauchdünne, knusprige Flammkuchen, die es mit Speck und Zwiebeln. Auch süße Crpes mit Füllung gibt kann man hier essen.
Im Diehm-Hof in der Oberstadt gibt es ebenfalls eine französische Spezialität: Das Team von Christiane Majer schenkt einen prickelnden Cidre aus, der mit französischem Bauernbrot als Beilage serviert wird. Nächste Station ist der Hof vor dem Fanfarenzugkeller.
Zur Musik der „SaxAngels" kann man sich am Stand von "Pfalz "-Wirt Jürgen Opfermann frische Bärlauchbratwürste und Schweinenackensteaks holen. Zum temperamentvoll gespielten "Mission impossible" harmoniert ein spritziger Schriesecco in rot oder weiß. Auch im Strahlenberger Schulhof hat Opfermann eine Dependance. Für den Wein ist hier aber die Winzergenossenschaft zuständig, die bei der Sommerhitze auf einen Müller-Thurgau und einen trockenen Riesling setzt.
Im Hof des "Goldenen Hirsch" spielen die "Hot Four" auf. "Hirsch-Wirt Domenic Mack hat nicht zuletzt deshalb seiner pikanten Paella noch ein paar exotische Noten beigemischt, die das Gericht auf den tiefen Süden einstimmen. Die liebevolle Dekoration des Hofs erinnert mit ihren Limetten, Schwimmkerzen und Lavendelsträußchen dagegen eher an Südfrankreich. Um die Ecke empfängt den Besucher eine Duftwolke aus Knoblauch und würzigen Kräutern. In der Heidelberger Straße stehen die Wirte des "Weißen Lamm" hinterm Tresen und zaubern in Windeseile köstliche Gyros-Spieße mit Zaziki, gebackene, Auberginen mit Hackfleisch und mit Schafskäse gefüllte Blätterteigtaschen. Dazu wird roter Landwein aus Kreta, Retsina und zur Abrundung ein Ouzo serviert. "Schriesheim jazZt" ist damit nicht nur ein musikalischer, sondern auch ein kulinarischer Hochgenuss gewesen.
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RNZ von Montag, 12. Juli 2010
"JazZ" von Punk bis My Fair Lady
"Schriesheim jazZt" in einer "Tropennacht" zum fünften Mal - Musikalische Vielfalt wieder enorm
Von Carsten Blaue
Schriesheim. "Jeder, der nicht da war, hat etwas verpasst": Bürgermeister Hansjörg Höfer war am Samstag zu vorgerückter Stunde begeistert von "Schriesheim jazZt", dem kleinen, feinen Musikfestival in den Höfen der Innenstadt, das dieses Jahr zum fünften Mal stattfand. Vor den acht Bühnen zwischen Evangelischem Kirchgarten, Oberstadt, Strahlenberger Schulhof und „Kaiser"-Baustelle genossen die Fans aller Spielarten des Jazz einen hochsommerlichen Abend im einmaligen Ambiente der Altstadt - bei guter Musik und leckerem Essen. "Eine Tropennacht, wie Höfer meinte. Damit lag er nicht falsch.
Vielleicht lag es an der Hitze, dass die Altstadtgassen nicht ganz so belebt schienen wie in den Vorjahren. Sicher tat auch Deutschlands letztes WM-Spiel ein übriges. Aber: Die Höfe und Plätze vor den Bühnen waren alles andere als leer.
Besonders die Latinband "Lightshy" durfte sich im Kirchgarten über das größte Publikum freuen, das dicht an dicht saß und stand. Sitzplätze gab es zu vorgerückter Stunde vor keiner Bühne mehr, die durch die langen roten Lichtkegel markiert wurden, die längst ein Markenzeichen von "Schriesheim jazZt" geworden sind.
Man lauschte entspannt der Musik, man aß und trank und unterhielt sich: „Jazz ist ja immer auch relaxed und ein "social event", wie Prof. Theo Stemmler treffend feststellte. Dieser spielte mit seinem „Quintet sogar auf Zuruf seiner Enkeltochter ein Stück aus "My Fair Lady". Bedenkt man, dass zeitgleich vor dem Alten Rathaus die "Brass Punk Maniacs" völlig aufgekratzt und von den Zuhörern gefeiert bewiesen, wie man eine Punk-und eine Brass-Band unter einen Hut bekommt, dann hatte der Jazz bei „Schriesheim jazZt' dieses Jahr eine ganz und gar erstaunliche Bandbreite für jeden Geschmack. Und enorme Qualität. So sorgten die "Hot Four" für Begeisterung bei den Freunden des frühen Jazz. Dixie-Fans freuten sich über die "Winestreet Dixie Company", und das "Bassface Swin Trio" mit Chris Német statt Thilo Wagner am Piano verzückte Swing-Puristen. Die „SaxAngels" belohnten musikalisch und optisch für manche Hitze-Strapaze des Tages.
Schon die Vorbereitungen auf das Jazz-Event waren am Samstag für alle Schaffer eine grenzwertige Hitzeschlacht. Die Bühnen mussten aufgebaut, Licht- und Tontechnik installiert werden. Winzer und Wirte bereiteten die Höfe auf die Gäste vor. Das alles als Schweiß treibend zu bezeichnen, ist schon fast untertrieben.
Entsprechend umfassend fiel Höfers Lob an die Teams von Kulturkreis (KKS) und Verkehrsverein aus. Die Vorsitzenden der organisierenden
Vereine, Albert Kesseler und Karl-Heinz Schulz, hörten es gerne und gaben den Dank an Sponsoren und Förderer weiter. Diese können sich schon mal das zweite Juli-Wochenende 2011 vormerken. Denn es muss einfach weitergehen mit "Schriesheim jazZt".
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RNZ von Montag, 12. Juli 2010
Frohe und mitreißende Botschaften
Die beiden Gospelchöre "Golden Harps" und "Groovin' Poxes" bei
"Schriesheim jazZt"
Von Nicoline Pilz
Schriesheim. "Oh, Happy Day": Immer wieder passt der Gospelklassiker, den die "Golden Harps" und die "Groovin' Foxes gemeinsam auf dem Marktplatz in Schriesheim sangen. Auf jeden Fall passte er perfekt zu "Schriesheim jazZt", das die beiden Gospelchöre aus Lahr und Beilstein mit Schwung eröffneten.
Nach dem gemeinschaftlichen Auftritt auf dem Marktplatz teilten sich die Ensembles auf: In der katholischen Kirche trafen die dort schon lange bekannten "Golden Harps" auf ein volles Gotteshaus und treue Fans. Im rund 20-köpfigen Chor dominierten die frischen Sommerfarben Türkis und Weiß, und ebenso frisch kamen die jungen Gospelsängerinnen und -sänger bei ihrem Publikum an, das bei Titeln wie "Sing it to the Lord" mitswingte und -klatschte.
Sehr schön ausgearbeitete Chorsätze und ausdrucksstarke Solostimmen machten hier viel Freude. Ein wenig Pathos, ein wenig Herz und Schmerz durfte als i-Tüpfelchen einer regelrecht perfekt aber zugleich auch mitreißend daherkommenden Show durchaus sein. Mittlerweile sind die Goldenen Harfen, die ihren Ursprung im Jahr 1997 als zunächst loser Verbund an Sängern haben, mit ihrem Motto "Come and feel the Gospel" mit 30 Auftritten jährlich immer häufiger in ganz Baden unterwegs.
Das aus dem Altenglischen kommende "Godspel", also gute Nachrichten oder frohe Botschaften, verbreiteten auch die "Groovin' Foxes" bei ihrem hiesigen Premierenauftritt in der evangelischen Kirche. Chorleiter Uli Staudenmaier gab sich dabei als coole Socke mit Wahnsinnsstimme und Sonnenbrillen-Accessoire. Die schwarz-orangenen Füchse präsentierten nach den Hits auf dem Marktplatz kleine Schätze aus aller Welt, darunter gar dänische und deutsche Gospel. Das gibt's tatsächlich. Die amerikanische Gospelgröße Edwin Hawkins, mit dem gerade Titel wie "Oh, Happy Day" untrennbar verbunden bleiben, erklärte einst: "Gospel ist nicht der Sound, nicht der Klang - es ist die Botschaft. Wenn es von Jesus Christus handelt, ist es Gospel". Glücklicherweise ist bei den "Groovin' Foxes" der Name Programm.
Hier greifen auch Klangkörper, Volumen und Rhythmusgefühl wunderbar zusammen, um ein außerordentlich hörbares Ganzes zu ergeben. Jedenfalls durften sich sowohl bei den "Golden Harps" als auch bei den „Grovin' Foxes" so manche Zuhörer verwundert die Augen reiben: Die deutsche Gospelszene ist im wahren Wortsinn in Bewegung gekommen.
Aus einst etwas hilflos wirkender Kirchentagsgestik sind ausgetüftelte Choreografien geworden, die das Klangbild unterstreichen. Beide Gospelchöre machten eine super Werbung in eigener Sache, was das jeweilige gesangliche (und musikalische) Niveau betraf, aber auch für die Botschaft, für "Godspel", an sich.
Einziger Kritikpunkt: Die Unruhe in den Kirchen, weil viele Zuhörer gerne hier wie dort die parallel auftretenden Chöre hören und sehen wollten, war beträchtlich und somit störend. Dieser schöne Programmpunkt von "Schriesheim jazZt" hätte ungeteiltere Aufmerksamkeit verdient. |

RNZ vom Freitag, 25.Juli 2010 von Carsten Blaue
"Schriesheim jazZt" zum fünften Mal
Festival ist bei fans und Musikern etabliert: Gospel in den Kirchen und Jazz in den Höfen am 10.Juli - Vorverkauf beginnt am Montag
Schriesheim. Zum fünften Mal laden der Kulturkreis (KKS) und der Verkehrsverein dieses Jahr zu „Schriesheim jazZt" ein, dem feinen Musikfestival in den Höfen der Altstadt. Das geht am Samstag, 10. Juli, über die Bühnen zwischen Stralenberger Schulhof, Altem Rathaus, Oberstadt und Evangelischem Kirchgarten. Mit dabei sind acht Bands und zwei Gospelchöre.
Am längst bewährten Konzept halten die Macher um KKS-Chef Albert Kesseler auch in diesem Jahr fest: Man zahlt einmal Eintritt für alles - also für den kompletten Musikgenuss von 18 Uhr bis Mitternacht. Wieder werden zwei Gospelchöre das Musikevent nach der Eröffnung vor dem Alten Rathaus mit rund einstündigen Konzerten in den Kirchen einleiten. Danach folgt ab 20 Uhr der Jazz in den Höfen, in denen aktive Schriesheimer Gastronomen für passende Leckereien und Getränke zur Musik sorgen.
Nach Lust und Laune kann man zwischen den Höfen wechseln, ohne etwas von der Musik auf den Bühnen zu verpassen. Denn nach Sets von jeweils einer Dreiviertelstunde sind Pausen von 15 Minuten eingeplant - genug Zeit also, um einen anderen Spielort aufzusuchen, wenn man möchte. Die Jazz-Freunde aus der ganzen Region und darüber hinaus wissen es zu schätzen, wie die Resonanz der vergangenen Jahre bewies.
Und auch unter den Musikern haben sich der Erfolg von „Schriesheim jazZt" und das Flair Schriesheims herumgesprochen: „Wir hatten für dieses Jahr 45 Bewerbungen von Bands", sagte Kesseler. Der KKS-Vorsitzende stellte zudem zufrieden fest, dass man dieses Jahr auch das letzte Schlupfloch ins Festival-Gelände schließen werde, nämlich an der Metzgerei Urban. Es gab also immer noch welche, die die erschwinglichen 15 Euro im Vorverkauf ab Montag, beziehungsweise 20 Euro an der Abendkasse nicht ausgeben wollten. Dabei wird dem Publikum so viel Gutes fürs Ohr geboten - dieses Jahr alleine von fast 150 Musikern. Da kann man über den Eintrittspreis sicher nicht meckern. Dieser hat sich übrigens dieses Jahr auch nicht geändert..
Neuerungen gibt es aber dennoch. So wird die Weinscheuer Majer dieses Jahr kein Spielort sein, weil sie für eine Geburtstagsfeier gebraucht wird. Christiane Majer wird die Jazz-Fans jedoch wie schon in den vergangenen Jahren im Diehm-Hof in der Oberstadt mit Mediterranem verköstigen. Wieder dabei ist der „Goldene Hirsch" Domenic Mack wird süße und herzhafte Langos und Tortillas zur Musik servieren. Erstmals mit von der Partie ist das Weingut Bielig, das im Hof der Küferei Hauser seine Weine einschenken wird, begleitet von Leckerem aus Jutta Schneider-Winterscheids französischem Spezialitätengeschäft „Flammi" in Weinheim. Nachdem das Weinhaus Bartsch, wie Kesseler sagte, aus personellen Gründen nicht für die Bewirtung im Evangelischen Kirchgarten sorgen kann, springt hier das „Kaffeehaus Ladenburg" ein, die eigenständige Dependance des „Kaffeehaus" in Schriesheim. Das versorgt wie immer am Stadtbrunnen vor der großen Bühne die Gäste.
Beide „Kaffehäuser" werden eine mediterrane Urlaubsküche auf die Teller bringen und dazu spanische Weine und spanisches Bier einschenken. Verlässliche Partner von „Schriesheim jazZt" sind nicht zuletzt das „Weiße Lamm", das an der Bühne vor dem „Deutschen Kaiser" zu griechischem Wein Gyros und gefüllte Auberginen zubereitet, sowie das Hotel „Zur Pfalz", das in der Oberstadt und auf dem Strahlenberger Schulhof unter anderem Gegrilltes anbietet - auch vom Lamm. Es ist klar, dass die Winzergenossenschaft vor dem Zehntkeller die Bewirtung mit ihren guten Tropfen aus der 2009er-Kollektion übernimmt. „Schriesheim jazZt" ist also auch dieses Jahr nicht nur etwas für die Ohren, sondern auch für den Magen.
Termin: Samstag, 10. Juli 2010
Programm:
18 Uhr: Eröffnung durch Bürgermeister Hansjörg Höfer und die Gospelchöre „Golden Harps" und „Groovin' Foxes"
18.30 Uhr: Gospelkonzerte (Golden Harps" in der katholischen Kirche, „Groovin' Foxes" in der evangelischen Kirche)
20 Uhr: Jazz in den Höfen mit der „Rhine-River-Bigband" im Strahlenberger Schulhof, den „Brass Punk Maniacs" am Alten Rathaus, der „Hot Four Creole Jazzband" im Hof des „Goldenen Hirsch", der „Lightshy Latinband" im Evangelischen Kirchgarten, dem "Bassface Swing Trio" im Hof der Küferei Hauser, der „Winestreet Dixie Company" am Kaiser in der Heidelberger Straße, mit „Theo Stemmiers College Jazz Quintet" im Diehm-Hof in der Oberstadt und den „Sax-Angels" im Hof vor dem Fanfarenzugkeller
Beteiligte Gastronomiebetriebe und Winzer: „Kaffeehaus Schriesheim", „Kaffeehaus Ladenburg", „Majers Weinscheuer', Hotel „Zur Pfalz", „Goldener Hirsch", „Weißes Lamm", Feinkost „Flammi" (Weinheim), Winzergenossenschaft Schriesheim, Weingut Bielig
Vorverkauf: Ab Montag, 28. Juni, für 15 Euro in der RNZ-Geschäftsstelle Schriesheim, im Laden der Winzergenossenschaft, in Utes Bücherstube und bei allen beteiligten Gastronomen
Abendkasse: 20 Euro, Jugendliche zwischen acht und 14 Jahren zahlen fünf Euro. cab |

Samstag, 10. Juli: Schriesheim jazZt 2010
Das kleine Festival mit der großen Resonanz und dem unverwechselbaren Flair geht zum fünften Mal an den Start. Den Auftakt übernehmen um 18 Uhr nach der Eröffnung durch den Schirmherrn Bürgermeister Hansjörg Höfer wieder zwei Gospelchöre auf dem Marktplatz und später in den Kirchen:
Evangelische Kirche ab 18.30 Uhr: Grooving Foxes
Katholische Kirche ab 18.30 Uhr: Golden Harps
Die Konzerte in den Kirchen dauern mit einer Pause zum Wechseln von einem Chor zum anderen etwa eine Stunde bis etwa 19.30 Uhr. Es bleibt also genügend Zeit, um an einem der acht Orte in der Altstadt ab 20 Uhr den individuellen Schriesheim-jazZt-Rundgang zu starten. Acht Bands spielen auf acht Plätzen und Höfen mit Sets beginnend zu jeder vollen Stunde bis kurz vor Mitternacht. Dazwischen jeweils 15 Minuten Pause für die Freunde von Schriesheim jazZt, um von einem Spielort zum anderen, von einer Stilrichtung zur anderen schlendern zu können. Dies sind die Bands, die 2010 dabei sind:
Brass Punk Maniacs - am Alten Rathaus
Bassface Swing Trio - Hof der Küferei Hauser
Theo Stemmlers College Jazz Quintett - Oberstadt 1
The Sax-Angels - Oberstadt 2
Rhine-River-Big-Band - Platz vorm Zehntkeller
Lightshy Latinband - Evangelischer Kirchgarten
Hot Four Creole Jazzband - im Hof vom Goldenen Hirsch
Winestreet Dixie Company - Heidelberger Straße
Schriesheim jazZt 2010 - Eintritt 1 x 15 Euro für alles - im Vorverkauf ab dem 26. Juli 2010 in der RNZ-Geschäftsstelle Schriesheim, in Utes Bücherstube, im Laden der Winzergenossenschaft sowie bei allen beteiligten Gastronomiebetrieben: Abendkasse 20 Euro, Jugendliche bis 14 Jahre generell 5 Euro. |

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| Fotos: Frau Gregor |
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RNZ von Montag, 31. Mai 2010
Von den kleinen Freuden des Lebens
Der Kulturkreis präsentierte „Gipsy-Musik“ im Kirchgarten mit Romeo Franz und Ensemble
Den Anfang machte Fata Wallers „Honeysuckle Rose", als Zugabe gab es „Sweet Georgia Brown“. Auch wenn die Standards, die den Rahmen für das Konzert von Romeo Franz und Ensemble gaben, nicht aus der Feder Django Reinhardts stammten, waren sie doch ein Tribut an den großen Gitarristen. Bei ihrer „Gipsy-Musik" im evangelischen Kirchgarten nahm das Ensemble Romeo Franz sein Publikum mit in die Zeit des „Hot Club de France“. In die Schuhe Stéphane Grappellis stieg Bandleader Romeo Franz, der den Geigenpart souverän übernahm und dabei mit seinem Instrument ebenso überzeugend flirtete wie mit dem Publikum.
In charmanten bis komischen Anmoderationen erklärte er den Zuschauern nicht nur die Musik, sondern brachte ihnen ein Stück Kultur und Mentalität der Sinti nahe. Etwa, wenn er die Geige beiseite legte und Stücke wie Schnuckenack Reinhardts
„Du djalal" anstimmte. Ein verlassener Ehemann räsoniert in der Sprache der Sinti, Romanes, darüber, dass seine Frau ihn mit den zehn Kindern hat sitzen lassen. Das Publikum ließ das mal so stehen, auch wenn die Melodie so gar nicht zu dem Drama passen wollte. Beinahe entspannt spielten sich die Musiker durch die jazzigen Rhythmen und zeigten eine Lebens- und Spielfreude, die hervorragend zum spritzigen Weißwein passte, der von der WG ausgeschenkt wurde.
Beim ersten Gastspiel hatte der Kulturkreis weniger Glück, goss es doch vor drei Jahren in Strömen. Doch diesmal ließ sich der lauschige Sommerabend in vollen Zügen genießen. Ohne große Show agierten die vier Ausnahmemusiker als Ensemble. Dabei war jeder in sein Spiel vertieft, beinahe wirkten die Vier abwesend, fanden aber mit schlafwandlerischer Sicherheit zusammen.
Um zurück zu Django Reinhardt zu kommen: Wie zu Zeiten des legendären Quintetts besannen sich auch die Pfälzer Musiker auf die traditionelle Instrumentierung. Also kein Schlagzeug. Es ging auch so, und es ging gut, steckten doch Bassist Panscheli Lehmann und Rhythmusgitarrist Unge Schmidt den musikalischen Rahmen ab, Lehmann stets geschmeidig, Schmidt meistens zupackend auf seinem Instrument, dem er Klänge wie einer Country-Gitarre entlockte.
Um zurück zu Django Reinhardt zu kommen: Wie zu Zeiten des legendären Quintetts besannen sich auch die Pfälzer Musiker auf die traditionelle Instrumentierung. Also kein Schlagzeug. Es ging auch so, und es ging gut, steckten doch Bassist Panscheli Lehmann und Rhythmusgitarrist Unge Schmidt den musikalischen Rahmen ab, Lehmann stets geschmeidig, Schmidt meistens zupackend auf seinem Instrument, dem er Klänge wie einer Country-Gitarre entlockte.
Ebenso frei wie beim Joseph-Kosma Stück gingen die Vier an andere Standards heran, etwa Gershwins „Lady be good". Bei „Sunny" wähnte man sich in einer Bar der Sechziger und spürte den Einflüssen Chet Bakers oder Stan Ghet‘ nach. Apropos Sunny: Romeo Franz‘ Sohn mit demselben Vornamen hatte mit dem Nachwuchs-Bassisten und Lehmann-Sohn Domani ebenfalls seinen Auftritt. „Das sind unsere Azubis“, kündigte Franz nicht ohne Stolz an. Das konnte er auch, erwiesen sich der Zehn- und der Fünfzehnjährige doch als fortgeschrittene Lehrlinge. Sunny spielte, was das Publikum ersehnte: Reinhardts größten Hit „Minor Swing“. Dafür gab Bund gern die Hauptrolle an den Nachwuchsgeiger ab, der sie mit entspanntem Charme ausfüllte. Lässig ging es auch zu in Reinhardts Stück „Me hum matto“, das die kleinen Freuden des Lebens preist.
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Romeo Franz & Ensemble am 29. Mai 2010 ab 19:00 Uhr
im evangelischen Kirchgarten
Romeo Franz und sein Ensemble werden am Samstag, den 29. Mai, ab 19 Uhr den beschaulichen Garten der evangelischen Kirche im Herzen Schriesheims musikalisch im Stil eines Stephane Grappelly oder Django Reinhardt beleben. Beiden Ikonen der Gipsy-Musik kommen die Musiker des Ensembles sehr nahe, beweisen aber einen ganz eigenen und unverwechselbaren Charakter, den sie seit ihrer Gründung vor 19 Jahren entwickelt haben. Das Repertoire ist sehr breit gefächert: Swing-Jazz der 30-er, 40-er und 50-er Jahre, Latin, Walzer, ungarische Folklore und viele eigene Kompositionen.
Bandleader, Moderator und Geiger Romeo Franz kam schon sehr früh in der Familie mit Musik in Kontakt und wurde später Meisterschüler von Schnuckennack Reinhardt. Mit 11 Jahren ging er zum ersten Mal auf die Bühne, mit 23 gründete er seine erste Band. Mittlerweile zählt er über 200 Fernsehauftritte!
In Schriesheim zum ersten Mal mit von der Partie ist der Sologitarrist Uli Bund als authentischter Vertreter des Django-Reinhardt-Stils. Spielwitz, Gefühl und Leidenschaft machen seine unverwechselbaren Improvisationen aus.
Unge Schmidt spielt im Ensemble das Piano. Er gilt als wahrer Harmonie-Akrobat und aufgrund seines enormen Einfühlungsvermögens als Juwel für jeden Solisten – an diesem Abend also für Uli Bund.
Panscheli Lehmann am Kontrabass, ebenfalls zum ersten Mal in Schriesheim dabei, stellt den ruhenden Pol des Ensembles dar, den nichts aus der Ruhe bringen kann, selbst wenn es musikalisch hoch her geht.
Wie in den Vorjahren, so steht auch dieses Konzert im evangelischen Kirchgarten mit Romeo Franz & Ensemble unter der freundlichen Schirmherrschaft von Romani Rose, Zentralrat der Sinti und Roma.
Der Vorverkauf läuft in Utes Bücherstube, bei der Winzergenossenschaft und in der RNZ-Geschäftsstelle Schriesheim für € 12,50. Karten an der Abendkasse € 15,-
Die Winzergenossenschaft Schriesheim und der Partyservice Mack freuen sich auf die Bewirtung an diesem außergewöhnlichen Abend in der schönen Umgebung des Kirchgartens. Und was das Wetter betrifft: Wir können optimistisch sein !
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| Fotos: Frau Gregor |
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RNZ Pfingstausgabe vom 22./23./24. Mai 21010
Wenn aus Worten Bilder werden
Noch bis einschließlich Sonntag ist im Museum Théo Kerg die Sonderausstellung „Zuschreibungen“ zu sehen
Schriesheim. (sk) Noch bis Sonntag zeigt der Kulturkreis im Museum Théo Kerg die Sonderausstellung der Berliner Künstlerin Ruth Tesmar. Kürzlich gab es im Museum eine Führung mit dem Musik- und Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch, zu der zahlreiche Interessierte ins Museum kamen. Extra aus Berlin angereist war auch die Künstlerin, die ebenfalls Deutungen zu ihren Werken anbot.
Wie aus Vorstellungen Worte und aus Worten Bilder werden, welche wechselseitigen Beziehungen und Verknüpfungen beides im Werk von Ruth Tesmar findet, das vermittelte Hörisch an diesem Nachmittag auf eloquente, kurzweilige Weise.
Das Buch entspreche dem Menschen. Wie er habe es Titel und Rücken, und es sei das Medium zwischen den Zeichen, und dem was bezeichnet werden soll. „Kunst will etwas als etwas Anderes, Neues sehen“, bemerkte Hörisch. So werde die Mythologie im Zyklus „Metamorphosen“ auch durch selbstgestaltete Bucheinbände vermittelt.
Gerade die Buchrücken haben für Ruth Tesmar eine besondere Bedeutung. Zum einen in Form uralter Bucheinbände, die die Künstlerin zu „Buch-Engeln“ umgestaltet, zum anderen wegen ihrer eigenen Lese-Erfahrungen.“Das Lesen war für mich immer ein Zufluchtsort. Man macht die Buchrücken auf, dazwischen entdeckt man eine neue Welt“, so Tesmar. In dieser Welt ist viel Platz für Poesie.
Mal wird mehr angedeutet als gezeigt durch die Überlagerung von Körpern und Objekten mit vielen zarten Stoffschichten etwa in den Bildern zu Hörischs Buch „Vorletzte Fragen“. Mal verbinden Pastellfarben vor einem sepiabraunen Hintergrund die verschiedenen Bildobjekte wie im Zyklus „Metamorphosen“. Mal zeigen die Mal- und Materialcollagen aber auch scheinbar Simples, das in leuchtenden Farben und mit viel Sorgfalt zu etwas Neuem, Besonderem wird wie bunte Blätter oder eine farbenprächtige Feder. Poetische Worte werden aufgenommen und eingebaut in die Kunstwerke, sei es als Wortfragmente oder als komplettes Gedicht wie auf den großen Schreibbahnen, die im Treppenhaus zum Obergeschoss.
Der Respekt vor dem geschriebenen Wort ist stets sehr groß bei Ruth Tesmar, etwa wenn Werke Buchstabe für Buchstabe gedruckt, gemalt oder in einen neuen künstlerischen Zusammenhang gestellt werden. „Ich habe mir sehr viele Bücher ausgeliehen, weil ich sie selbst nicht hatte“, berichtete die in der DDR aufgewachsene Künstlerin. Um die Bücher trotzdem behalten zu können, schrieb sie sie oft ab.
Daran erinnert das zwei mal zwei Meter große Werk, bei dem Tesmar einen Ausspruch Fichtes Buchstabe für Buchstabe mit Öldruck auf Seidenkokon bannte. Als Kant-Schüler habe sich Fichte mit den Erkenntnissen seines Lehrers über Anschauungen und Begriffe auseinander gesetzt, kam Hörisch wieder auf den Zusammenhang zwischen Darstellung, Sinn und Sprache zurück.“Der Sinn bekommt durch die Übersetzung in Kunst etwas Sinnbildliches“, bezog sich der Literaturwissenschaftler auf die Bibelstelle, in der davon die Rede ist, dass das Wort Fleisch ward.
Dass die Begriffe Text und Textil verwandt sind, war für Hörisch ebenfalls kein Zufall. Geht doch beides zurück auf die Spinne, die die Dichtkunst symbolisiert, da sie spinnt und webt, wie auch die Dichter ihr Garn spinnen. Extrem verdichtet tauche diese Interpretation in den skulpturalen Motiven mit der Darstellung von Mohnblume und Gingkoblättern auf, letztere als Anspielung auf Goethes Gedicht. Auf die Ähnlichkeit des Blattes mit einem Mund verwies wiederum Ruth Tesmar, was Hörisch dazu brachte, die Besucher zu guter Letzt zu einem Glas Schriesheimer Wein einzuladen, bei dem in kleiner Runde weiter diskutiert wurde. |

RNZ - FEUILLETON von Donnerstag, 29. April 2010
Der Geist von Ovid, Kafka & Co. weht durch die Räume
Die Künstlerin Ruth Tesmar macht Leteratur sichtbar: Im Schriesheimer Museum Théo Kerg zeigt sie ihre poetische Ausstellung "Zuschreibungen"
Von Julia Behrens
Bücher, Sprache, Wörter, Schrift: Literatur ist in ihrer inhaltlichen und sinnlichen Erscheinung elementar für die Arbeit von Ruth Tesmar. Die Collagen, Zeichnungen und Grafiken der renomierten Berliner Künstlerin sind so etwas wie bildgewordene Poesie. Zu sehen sind diese text-inspirierten Werke jetzt in ihrer Einzelausstellung ‚;Zuschreibungen" im Museum Théo Kerg in Schriesheim. Dorthin passen sie ausgesprochen gut, da auch Kerg sich intensiv mit der Verwendung von Sprache in seiner Kunst auseinandersetzte.
Ruth Tesmar zeigt mit ihren Arbeiten nicht nur die faszinierende Verwandtschaft zwischen Schrift und Bildzeichen auf, sondern spielt auch mit den unterschiedlichen Wahrnehmungsstrukturen von Literatur und bildender Kunst. Die Künstlerin, die 1951 in Potsdam geboren wurde und Malerei und Grafik in Ost-Berlin studierte, bezieht sich jeweils auf ein ganz bestimmtes literarisches Werk - zum Beispiel von Arthur Rimbaud oder Ingeborg Bachmann. Dabei strahlt nach Aussage der Kunstprofessorin, die seit 1993 an der Humboldt-Universität in Berlin lehrt, jeder Schriftsteller in Vita und Werk eine andere Farbigkeit aus. Diesen Eindruck transformiert sie bei Else Lasker Schüler in vielschichtige Farbräume, durchsetzt mit schwungvollen Schriftzügen, während sie ihre Assoziationen zu Hölderlin in strengem Schwarz-Weiß und stärkerer Geometrisierung festhält.
Nie illustriert sie die Texte, sondern hebt sie künstlerisch in eine andere ästhetische Ebene, die viele Interpretationen zulässt. Mit der fast surrealen, dunklen Tonigkeit in ihrem Aquarell-Zyklus zu den Metamorphosen von Ovid versetzt sie den Betrachter eher in die Gesamtheit mythologischen Denkens als in einen bestimmten narrativen Kontext. Das ist auch bei ihren Blättern zur Publikation „Vorletzte Fragen" (2007) von Jochen Hörisch der Fall. Der Mannheimer Germanistikprofessor, der die Künstlerin seit 20 Jahren kennt, erörtert darin essentielle philosophische Fragen und ergänzt diese mit Texten von Platon, Kant, Goethe, Nietzsche, Kafka u. a.
Ruth Tesmar, die als Universitätszeichenlehrerin nicht nur Kunststudenten, sondern auch Mediziner und Kunsthistoriker unterrichtet, hat dazu aus einer Serie von Collagen einen eigenen Darstellungskosmos geschaffen. Besonders auffällig isf hier die Überlagerung von kunstgeschichtlichen Zitaten oder handgeschriebenen Wortmaschen mit einer großen Variation von gezeichneten Textilien. Überhaupt kommt die stoffliche Struktur von Literatur bei Ruth Tesrnar deutlich zum Ausdruck. Hörisch verweist im Gespräch auf die semantische Ähnlichkeit von „Text" und „textil", und tatsächlich kristallisieren sich aus den handschriftlichen Textmustern - zum Beispiel auf den großen installativen Schriftbahnen der Künstlerin - optisch autonome Gewebe heraus. Immer wieder greifen Inhalt und Ausdruck überraschend ineinander, auch auf dem fein beschriebenen, schon leicht zerrissenen Bananenblatt aus Havanna, das sie mit einem Gedicht von Karoline von Günderrode versehen hat: Ruth Tesmar macht Literatur in all ihren Facetten erstaunlich „sichtbar".
Info: Museum Théo Kerg, Schriesheim. Sa./So. 14-17 Uhr, Mi. 17-19 Uhr und nach Vereinbarung. Bis 23. Mai. Am 16. Mai führt Prof. Jochen Hönisch um 15 Uhr durch die Ausstellung.
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MM von Mittwoch, 28. April 2010
Schriesheim: Vernissage von Ruth Tesmar im Kerg-Museum
Lesen so selbstverständlich wie Zähneputzen
Von Gerlinde Gregor
Schriesheim. "Zuschreibungen" nennt sich die Ausstellung der Berliner Künstlerin
Ruth Tesmar, die noch bis zum 23. Mai im Schriesheimer Kerg-Museum zu
sehen ist. Der Titel kommt nicht von ungefähr. Ihre Bilder auf Öl und
Holz, ihre Collagen und zarten Zeichnungen haben alle etwas mit dem
geschriebenen Wort zu tun.
Bei der Illustration der Metamorphosen von Ovid zum Beispiel verwendet
sie Motive sinnlicher Mundpartien und umrahmt das Werk mit dunklen
Buchrücken. Nicht zu übersehen sind auch die beiden langen Tücher, die
wie Fahnen den Ausstellungsraum unterteilen und auf denen "Botschaften"
stehen.
Passend zu Theo Kerg
Sie habe Sprache in Textilien eingebettet, betonte der Literatur- und
Medienwissenschaftler Professor Jochen Hörisch in seiner Einführung.
Und er stellte eine Parallele zu den Werken von Theo Kerg fest, der
ebenfalls gerne mit dem geschriebenen Wort experimentiert habe.
Altes werde neu gesehen und auch umgekehrt, verwies Hörisch auf die
Materialcollagen. Besonders beeindruckend sind die Werke aus Holz und
Metall, die sich mit antiken Motiven beschäftigen wie beispielsweise
der Medea. Neue Verbindungen entstehen, wie etwa bei der Collage zu
einem Gottfried-Benn-Gedicht über den Tod.
Von einer Brücke, die Ruth Tesmar gebaut habe, sprach Lynn Schoene bei
der Ausstellungseröffnung, die viele an diesem sonnigen Frühlingstag
ins "Kerg" gelockt hatte. Sie verwies auf die überdimensionalen, mit
Texten aus der Weltliteratur beschrieben Stoffbahnen.
Namhafte Künstlerin
In ihrer Begrüßung betonte die Museumschefin, dass sie sich freue,
diese namhafte Berliner Künstlerin für eine Ausstellung in Schriesheim
gewonnen zu haben, passten ihre Werke doch hervorragend zu denen von
Theo Kerg. Denn auch er habe Worte in seine Werke eingebunden.
Als Schirmherr dankte Bürgermeister Hansjörg Höfer Lynn Schoene dafür,
dass es ihr wieder gelungen sei, eine so namhafte Künstlerin nach
Schriesheim zu bringen.
Für sie sei es eine große Ehre, dort ausstellen zu dürfen, wo
Hölderlins Worte noch lebendig sind, wandte sich Ruth Tesmar an das
Publikum. Texte und Literatur seien für sie immer Lebenselixier
gewesen, "das Lesen so selbstverständlich wie Zähneputzen". Sie
forderte die Besucher auf, die Bilder auf sich wirken zu lassen: "Nur
so können sie auch ihre Geheimnisse preisgeben." greg |

RNZ von Dienstag, 27. April 2010
"Viel mehr kann nicht gelingen"
Sonderausstellung "Zuschreibungen" im Museum Théo Kerg mit Werken von Ruth Tesmar aus Berlin
Von Stephanie Kuntermann
Schriesheim. Volles Haus bei der ersten Sonderausstellung in diesem Jahr. Da war die Freude nicht nur auf Seiten der Künstlerin Ruth Tesmar, sondern auch auf Seiten des Kulturkreises, der die Schau mit dem Titel „Zuschreibungen" organisierte. Museumskuratorin Lynn Schoene stellte bei der Vernissage am Wochenende fest, dass die Werke der Berliner Künstlerin ausgezeichnet ins Museumskonzept passten, harmonierten sie doch mit dem Oeuvre Théo Kergs.
Beide beschäftigten sich mit Worten, Texten und Literatur, auch wenn beide Künstler mit einer völlig unterschiedlichen Ausdrucksweise an das Thema heran gingen. „Trotzdem hat Ruth Tesmar eine Brücke gebaut", bemerkte Schoene. Sie meinte die großen „Schreibbahnen" mit literarischen Texten, die das Ober- und das Dachgeschoss für die Dauer der Ausstellung mit einander verbinden.
Schirmherr Bürgermeister Hansjörg Höfer dankte Schoene für die Organisation der Ausstellung und freute sich, dass sie mit Ruth Tesmar eine Künstlerin von hohem Rang in die Weinstadt holen konnte. Der Kontakt zum Kulturkreis kam seinerzeit übrigens über Professor Jochen Hörisch zustande, der die Einführung in Ruth Tesmars Werk übernahm, „Sie hätte keinen besseren Titel für die Ausstellung finden können als Zuschreibungen", bemerkte Hörisch. Schließlich seien Sprache und Wahrnehmung sehr schwer mit einander in Verbindung zu bringen, und Tesmar sei es gelungen, Hörbares wahrnehmbar zu machen.
Zweites Motiv ihrer Kunst seien die Metamorphosen, fuhr Hörisch fort und meinte damit nicht nur den Zyklus zu Ovids Metamorphosen, sondern auch die Veränderungen, die ein Buch in seiner Übersetzung in die bildende Kunst durclebt: „Wir sehen etwas Altes neu."
Oder umgekehrt, erscheinen doch die in den Materialcollagen verwendeten Buchrücken uralt, wurden aber von der Künstlerin selbst gemacht. Das feine, dunkelbraune Leder erinnert an Vorbilder aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, ebenso wie die Bild-Fragmente, die durch Drucken und zarte Colorierung in Aquarellfarben verändert und verfremdet wurden. Aus dem Rahmen fallen Ruth Tesmars archaische Objekte aus Holz und Metall, die sich mit dem ebenfalls antiken Mythos der Medea befassen.
So spielten das Material und die verwendeten Textilien eine Rolle, um Missverständnisse zu begreifen und aufzulösen, wie Hörisch betonte. In ihren Illustrationen zu Hörischs Buch „Vorletzte Fragen" wendet die Künstlerin eine Mischtechnik an. Einzelne Bildmotive werden reproduziert, neu zusammengestellt, mit Zeichnungen oder geschriebenen Texten verbunden und koloriert. Durch die Überlagerungen entstehen neue Verbindungen. Etwa bei der Collage zu einem Gottfried-Benn-Gedicht, das sich mit dem Tod beschäftigt.
Die Zeit nach dem Tod sei nicht nur rätselhaft, sondern auch nicht kommunizierbar. „Die Metamorphosen vom Abgrund des Sinns zeigen zumindest, was sich zeigen lässt. Viel mehr kann nicht gelingen", betonte Hörisch. Trotzdem zeigten die Werke Ruth Tesmars, dass das Leben besser sei als sein Ruf, legten sie doch von der Freude am Dasein und von der Freude an Metamorphosen Zeugnis ab.
Sie sei stolz, auch einmal im Land Hölderlins ausstellen zu dürfen, wandte sich Ruth Tesmar ans Publikum. Texte und Literatur seien für sie mehr Lebensanregung gewesen, das Lesen so selbstverständlich wie Zähneputzen. Sie forderte die Besucher auf, sich die Bilder in Ruhe zu betrachten, sie zu genießen und zitierte Adorno: „Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein,"
Info: „Zuschreibungen" bis 23. Mai, Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr, Mittwoch 17 bis 19 Uhr.1 Der Eintritt, ist frei. |

RNZ von Samstag/Sonntag, 24./25. April 2010
Ihre Arbeiten haben etwas Geheimnisvolles
Die Künstlerin Ruth Tesmar stellt zahlreiche ihrer interessanten Werke im Kerg-Museum aus - Die Vernisage findet am Sonntag statt
Schriesheim. (sk) "Seit du nicht da bist/ Ist die Stadt dunkel. Ich sammle die Schatten/Der Palmen auf/Darunter du wandeltest". Die ersten Zeilen von Else Lasker-Schülers sehnsuchtsvollem Gedicht „Ein Lied der Liebe" sind eben noch zu sehen in dem Buch, das in der Vitrine am Eingang des Kerg-Museums
steht. Zu jeweils zwei Versen hat die Künstlerin Ruth lbsmar ein Bild gemacht. Aus Bildern und Verszeilen entstand ein großformatiges, farbenprächtiges Buch, dessen Seiten man nur zu gern umblättern würde. Aber aus Platzgründen steht das Werk, das übrigens ein Unikat ist, in der Vitrine.
Es ist Teil von Ruth Tesmars Ausstellung „Zuschreibungen", die mit einer Vernissage am Sonntagvormittag um 11 Uhr im Kerg-Museum eröffnet wird. Mit insgesamt 69 Bildern, Collagen und Objekten ist sie eine der größten Ausstellungen, die der Kulturkreis in der letzten Zeit veranstaltete. Entsprechend haben die Künstlerin, ihr Mann und Museumskuratorin Lynn Schoene einige Probleme damit, das umfangreiche Werk auf dem vorhandenen Platz auszubreiten. Die Installation, die auf dem Ausstelllungsplakat zu sehen ist, musste in Berlin bleiben, wo die Künstlerin wohnt. "Sie ist einfach zu
groß", bedauert Tesmar. Dafür können aber die „Schreibbahnen" präsentiert werden. Die mehr als drei Meter langen Bahnen hängen im Treppenaufgang zum obersten Stockwerk. Stellt man sich darunter, ist man im wahrsten Sinne des Wortes umgeben von Literatur. In kalligraphisch inspirierter Schrift finden sich
hier Heines Gedicht "Zum Lazarus", ein Text von Pawel Florenski und Gottfried Benns "Aus Fernen und Reichen". Letzteres ist ein Lieblingsgedicht des Mannheimer Literatur- und Medienwissenschaftlers Professor Jochen Hörisch, der mit der Künstlerin nicht nur das Buch "Vorletzte Fragen" gestaltete, sondern sie auch für die Ausstellung in Schriesheim gewann.
So sind denn auch 20 der 36 Illustrationen in der Ausstellung zu sehen, zudem wird Hörisch bei der Vernissage in das Werk 'Tesmars einführen. Worte und Bücher, das wird schnell klar, spielen die Hauptrolle im künstlerischen Schaffen Ruth Tesmars. Schon die schwarze Farbe auf dem weißen Papier reizt die Künstlerin. "Es ist ein schönes Bildlicht, es wirkt wie Da Vincis sfumato", bemerkt sie. In der Nachmittagssonne scheinen die Stoffbahnen ein Eigenleben zu führen. Das
könnte auch am Material liegen, "Seidenkokon", einer Art Japangrund. Es ist auch der Untergrund der Werke, die Ruth Tesmar in der von ihr entwickelten, äußerst aufwendigen Drucktechnik erstellt. Zahlreiche, immer wieder neu kombinierte, selbst angefertigte Druckstöcke, Ölfarbe und viele Arbeitsschichten sind dafür
nötig. Beim Drucken nimmt die Künstlerin bewusst in Kauf, dass die Buchstaben
auf dem fertigen Bild spiegelverkehrt erscheinen. So bekommen denn auch ihre
Arbeiten etwas Geheimnisvolles. Die
Idee, Texte abzuschreiben, ist für Ruth
Tesmar nicht neu, sie ergab sich aus ihrer Biografie. "Ich habe immer schon gern gelesen", erzählt sie. Weil sie die Bücher nicht selbst besaß, lieh sie sich die Werke aus und schrieb die Texte ab. Der Weg zur Kunst war nicht mehr weit, faszinierte sie doch schon immer, was die Fantasie aus Buchstaben macht. "So entstehen aus Worten Bilder und aus Bildern Worte", erklärt sie.
Dass sich aus diesen Verflechtungen und Grenzgängen immer wieder neue Zusammenstellungen ergeben können, zeigen ihre Arbeiten zu Gedichten von Sarah Kirsch. "Der Brief" heißt ein ganz in Rot-, Orange-und Rosa-Töne getauchtes Bild, auf dem neben einem gedruckten Blatt ein gemaltes Herz seine kunstvoll verästelten Gefäße in den Raum wachsen lässt. Naturstudien wie zarte Libellenflügel oder die Kerngehäuse von Äpfeln, immer wieder umgeben von Buchseiten, Drucken oder den Linien eines Heftes, sind auf anderen Bildern zu sehen. Die detailverliebten Arbeiten, in Drucktechnik, mit einer
Reprokamera oder in Aquarellfarben aus
geführt, stehen in merkwürdigem Kontrast zu der Flüchtigkeit des gesprochenen Worts. Kein Wunder, dass auch die
Bücher selbst, wie in Arbeiten zu Dantes
Göttlicher Komödie oder als "Schmetter
linge" in Form von Collagen in ihrem
Werk auftauchen. |

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RUTH TESMAR, BERLIN – „ZUSCHREIBUNGEN“
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Werkstattaufnahme von Ruth Tesmar
im Menzel-Dach der Humboldt Universtät zu Berlin
Foto: Jan Siebert |
Sonderausstellung im Museum Théo Kerg,
Talstraße 52, 69198 Schriesheim
Ausstellungsdauer: 25. April – 23. Mai 2010
Öffnungszeiten: Sa + So: 14 -17 Uhr, Mi: 17 -19 Uhr und nach Vereinbarung Eröffnung: Sonntag, 25 April 2010, 11 Uhr
Begrüßung: Bürgermeister Hansjörg Höfer, Schirmherr
Einführung: Prof. Jochen Hörisch, Literatur und Medienwissenschaftler
Veranstalter: Kulturkreis Schriesheim mit Museum Théo Kerg e.V.
Kontakt: museum@kk-schriesheim.de / www.kk-schriesheim.de
Die Ausstellung der Berliner Künstlerin Ruth Tesmar widmet sich der Verbindung von Schrift und Bild, Wort und Zeichen. Eingebettet in scripturale Rauminstallationen ist die Bildfolge der Künstlerin zu dem Buch „Vorletzte Fragen“ des Mannheimer Literatur- und Medienwissenschaftlers Jochen Hörisch, welches in enger Zusammenarbeit mit ihm entstand. Auf die im Buch gestellten Fragen reagieren die Arbeiten von Ruth Tesmar. In weiteren großformatigen Bildern zu Ingeborg Bachmann, Friedrich Hölderlin u. a., mit Buchobjekten sowie Handgeschriebenem wird in unterschiedlicher Form die Demarkationslinie zwischen Wort und Bild ab- und überschritten.
Ruth Tesmar wurde 1951 in Potsdam geboren, promovierte 1981 und erhielt 1983 ihr Diplom für Malerei und Grafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Sie leitet seit 1993 als künstlerische Professorin das MENZEL-DACH an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie arbeitet in unterschiedlichen malerischen und grafischen Bereichen wie farbiger Holzdruck, Radierung, Collage und u. a, gestaltete Kostüme und Bühnenbilder für zwei Opernaufführungen, arbeitete baugebunden mit Glas- und scripturalen Installationen und illustrierte zahlreiche Bücher. Ihre Bilder wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Ihre Arbeiten befinden sich in Museen, öffentlichen und privaten Sammlungen. Sie erhielt diverse Preise für Grafik- und Buchkunst.
| Ruth Tesmar |
| 1951 |
geboren in Potsdam |
| 1981 |
Promotion |
| 1983 |
Diplom für Malerei und Grafik an der Kunsthochschule Berlin |
| 1993 |
Professorin für Künstlerisch-Ästhetische Praxis und Leiterin des MENZEL-DACHs an der Humboldt-Universität zu Berlin |
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| Künstlerische Tätigkeit |
| 1983 |
Zeichnerisches Naturstudium und Malerei |
| 1983 |
Holzschnitte, Radierungen, Lithographien nach Anregungen durch Texte von Trakl, Celan, Rimbaud, Hölderlin, Verlaine, Arendt, Lasker-Schüler, Bachmann, Màrquez, Kleist u. a. |
| 1986 |
Zusammenarbeit mit verschiedenen Verlagen (Kiepenheuer Verlag, Leipzig, Buchverlag Der Morgen u. a.)
Zyklen zu Else Lasker-Schüler, Paul Celan, Arthur Rimbaud |
| 1991 |
Farbige Holzdruckfolgen: Genesis, Cosmologia, Gefährdete Dialoge, Nocturne, Obscurus, apotropaios |
| 1993 |
Farbige Holzdruckfolgen: Camelot, Bedrohter Mythos (Katalog) |
| 1994 |
Farbige Holzdruckfolgen, Holzplastiken und Assemblagen: arche, Anna Blume, Nachmittagstraum eines Fauns; in Zusammenarbeit mit der Galerie Brusberg
Collagen zu Alexander von Humboldt Die Besteigung des Chimborazo I |
| 1995 |
Orte – farbige Holzdrucke zu Gertrud Kolmar |
| 1996 |
Eyelands - Bilder und Holzobjekte |
| 1997 |
Briefe an Leibniz - Collagen - Projekt mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (Katalog) |
| 1998 |
Medea – Bilder und Assemblagen (Katalog)
Effi Briest oder die Sprache der Dinge - Bilder und Collagen (Katalog) im Auftrag der Galerie Brusberg |
| 1999 |
Die Besteigung des Chimborazo II - farbige Blattfolge zu Alexander von Humboldt (Katalog), Ausstellung in der Casa Humboldt in Havanna
descriptio – Bildfolge und skripturale Installation zu Ovid
Begegnungen - Tierbilder und Holzobjekte im Museum Haus Cajeth, Heidelberg |
| 2000 |
Die Sprache der Dinge I - farbige Collagen
Symposion - großformatige farbige Holzdrucke für die Galerie Brusberg (Katalog)
excerpere - skripturale Installationen zu Helmholtz |
| 2001 |
Arbeit für die Edition Stuttgart Märchen der Welt - Buchillustrationen,
8 Bände, 2003
Zueignungen – Bilder zur Literatur von Hölderlin, Bachmann, Huchel, Kolmar, Lasker-Schüler, Rimbaud, Celan, Trakl u. a. |
| 2002 |
Lapislazuli und Pharaonengold - farbige Holzdrucke zu Else Lasker-Schüler
Arbeit an den Bildfolgen zu Dante Aligheris Göttlicher Komödie: Die Hölle, Der Läuterungsberg, Das Paradies, (3-bändige Prachtausgabe, Berliner Wissenschafts-Verlag, 2006) |
| 2003 |
Tieraden - Illustration der eigenen Gedichte (Kunstbuch)
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| 2004 |
Illustrationen zu J. M. Coetzee Schande, Kindlerverlag, 2004
Zwiegespräche – Bilder und Collagen zu Karoline von Günderrode und Christa Wolf |
| 2005 |
ante portas - Holzobjekte, große farbige Holzdrucke in der Abguss-Sammlung Berlin
Die Sprache der Dinge II – farbige Collagen |
| 2006 |
Aus der Arche - Holzdrucke und Objekte
Baugebundene Arbeiten auf Glas für die Helmholtz- Gemeinschaft Berlin und für die Humboldt-Universität zu Berlin |
| 2007 |
Zauberlicht - farbige Blattfolge zu Gedichten von Sarah Kirsch, Ausstellung in der Dichterstätte Limlingerode und im Literaturforum im Brechthaus; Berlin, 2008
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| 2008 |
Correspondences - Bildfolge und Ausstellung zum 100. Todestag von Paula Modersohn Becker, Kloster Irsee
Vorletzte Fragen - Bildfolge und Buchgestaltung zum Text von Jochen Hörisch; Omega Verlag, Ausstellung im Schloss Neuhardenberg |
| 2009 |
Itinera litterarum – Auf Schreibwegen mit Wilhelm von Humboldt - Assemblagen (Kunstbuch zum 200-jährigen Jubiläum der Humboldt-Universität zu Berlin)
Mitarbeit am Galilei-Projekt des Kunsthistorikers Horst Bredekamp |
| 2010 |
„Die Besteigung des Chimborazo - Annäherung an Alexander von Humboldt“ Ausstellungen in Lateinamerika: Mexiko, Ecuador und Kolumbien. Spanisches Kunstbuch zu Alexander von Humboldt
„El ascenso al Chimborazo“ |
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Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland.
Arbeiten im Besitz von Museen, öffentlichen und privaten Sammlungen.
Illustrationen und Buchgestaltungen, Umschlaggestaltungen, Plakate, Flyer, Logos. |
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| Bühnenbilder und Kostüme |
1996
&1999 |
Undine - E. T. A. Hoffmann, Orphée et Euridice - Chr. W. Gluck Opern-Freiluftaufführungen an der Humboldt-Universität zu Berlin |
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| Auszeichnungen |
| 1986 |
Schönstes Buch für Hugo von Hofmannsthal, «Die Frau ohne Schatten», Kiepenheuer Verlag Leipzig, 19881
Preis für Graphik im Rahmen der Ausstellung 100 ausgewählte Grafiken, farbige Holzdrucke zu Else Lasker-Schüler |
| 1993 |
Schönstes Buch für Augenreise I, Volk und Wissen Verlag GmbH Berlin |

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RNZ von Dienstag, 30. März 2010
Wenn Eier durch den Festsaal fliegen
Dann gastieren die "Swinging People" in Schriesheim und geben ein Konzert mit allerlei Requisiten, Witz und großem Können
Schriesheim. (sk) Man wusste nicht, ob die Mehrzahl der Anwesenden nun auf der Bühne stand oder im Publikum saß. Ginge es nur um die Resonanz einer Veranstaltung, so wäre der Auftritt des Ludwigshafener BASF-Chors "Swinging People" jedenfalls ein Reinfall gewesen, blieben doch die hinteren Stuhlreihen im Festsaal des "Goldenen Hirschs" weitgehend leer, und auch vorne hatte man mehr als genug Platz zum Sitzen. Die Besucher, die am Sonntagnachmittag der Einladung des Kulturkreises (KKS) gefolgt waren, sahen das allerdings anders.
Schon nach den ersten Titeln war nämlich klar, dass hier ein erstklassiges Ensemble gastierte, das auf jeden Fall ein volles Haus verdient hätte. Da brauchte es auch nicht den Zuspruch von KKS-Vorsitzendem Albert Kesseler, der den Anwesenden dankte und betonte: "Wir lassen uns durch den schlechten Besuch nicht entmutigen."
Entmutigt war auch keiner, schon gar nicht nach dem schwungvollen Einstieg des Chors mit einem Medley aus verschiedenen Webber-Musicals. Mal mit Chorleiter Wolfgang Sieber am Klavier, mal a capella, streiften die Sänger durch die großen Musical-Hits, angefangen von Jesus Christ Superstar bis zum Phantom der Oper, das denn auch ein Sänger mit Dracula-Mantel und weißer Maske verkörperte. Schon am Repertoire war zu erkennen, dass die Sängerinnen und Sänger weniger auf klassische Chorliteratur und mehr auf zeitgenössisches Liedgut spezialisiert sind. Auch optisch wurde weniger Wert auf steifes Auftreten gelegt, sorgte der Chor doch mit witzigen Requisiten und kleinen Gags immer wieder für Auflockerung. Weiter ging's mit Pop-Klassikern. „Only you" oder „The Rose" waren Stücke, bei denen die Zuhörer mit den Füßen wippten und leise den Text mitsangen, abgerundet wurde das Ganze durch den Les-Humphries-Hit "Mama Loo". Keine Geringeren als die Beatles machten als Nächste Station im "Hirsch", unschwer zu erkennen an den dunklen Pilzkopf-Perücken und den bunten Papp-Gitarren, mit denen sich vier der Sänger ausstaffierten. Überflüssig zu sagen, dass dieses Outfit nicht an allen gleichermaßen vorteilhaft wirkte. Und dass sie sich selbst nicht immer so ernst nahmen, machte die "Swinging People" gerade so sympathisch. Die Qualität ihrer Musik musste darunter nicht leiden, ganz im Gegenteil.
Gerade durch die kleine Prise Humor bekamen die Chorsätze das gewisse Etwas, das ihnen denn auch jede Menge Applaus einbrachte. Sehr gut passte hier auch die Auswahl an Schlagern der dreißiger Jahre und von den,, Comedian Harmonists", die im zweiten Teil des Konzerts zu hören war. Hier gab es, jedenfalls was die Lust am Verkleiden und an schrägen Requisiten anging, gar kein Halten mehr. Ein stachliger, grasgrüner Pappmache-Kaktus illustrierte das bekannteste Harmonists-Stück um die kleine Zimmerpflanze, Plastikeier, die dem Publikum unversehens um die Ohren flogen, den Hit »Ich wollt', ich wär' ein Huhn", und eine Gartenlaterne mit rotem Licht schließlich den Lale-Andersen-Schlager „Lili Marleen". Ehrensache, dass die Damen dabei Federboa trugen und die Herren sich mit Zylinder, Dandyschal und Handschuhen herausputzten.
Beim Thema Udo Jürgens kippte das Ganze dann ins Gegenteil, fegte doch bei „Mit 66 Jahren" ein gichtgeplagter „Rentner" mit Rockerjacke über die Bühne und floh ein genervter Ehemann im lässigen Sportdress nach New York.
Ganz ernst wurde es dem Chor beim "Queen-Medley", das den ersten Teil abrundete und beim Finale mit afrikanischen Liedern. Zwar sah man die Sänger bei letzterem im Buschmann-Look mit Leoparden-Umhängen und Papp-Speeren, sie sangen die schönen Melodien aber mit großem Ernst und ebenso, großem Können. Unterm Strich war es also ein rundum gelungenes Konzert.
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Swinging People
Der Junge Chor im Gesangverein der BASF zu Gast beim KKS
Der Junge Chor im BASF Gesangverein wurde 1998 gegründet und wird seither - genau wie der Gemischte Chor und der Männerchor des Werkes - von Wolfgang Sieber geleitet. Dabei kennt der Junge Chor keine Altergrenze, sondern kennzeichnet sich als bunt gemischte Gruppe eher durch ein junges Repertoire: von mitreißenden Gospels über gefühlvolle Spirituals, Folklore und Hits aus Webber-Musicals bis hin zu Evergreens und Chartstürmern aus der Popmusik ist alles dabei. Dazu zählen beispielsweise Medleys der Beatles, Queen und beliebte Stücke der Beach Boys und Comedian Harmonists, aber auch weniger bekannte Chorliteratur und klassische Stücke.
Swinging People - das sind Mitarbeiter und Auszubildende der BASF, Schüler und Studenten sowie Nachbarn aus dem Rhein-Neckar-Dreieck. Wir haben sie zu Gast am Sonntag, den 28. März 2010, um 17 Uhr im Festsaal des Goldenen Hirsch in der Heidelberger Straße in Schriesheim. |

Mathaisemarkt-Umzug: Verstärkung von der Steubenparade
Vor zwei Jahren durfte das Musikcorps Bickenbach die Steubenparade durch New Yorks Fifth Avenue führen - am kommenden Sonntag wird die Showbrassband mit gut 30 Musikern einige Straßenzüge in Schriesheim kennenlernen. Und zwar als Gast und Zugnummer des Kulturkreises Schriesheim. Während der KKS beim diesjährigen Mathaisemarkt-Umzug ausschließlich von Damen repräsentiert werden wird, bietet ihre musikalische Verstärkung aus dem hessischen Odenwald alles auf, was das Musikcorps Bickenbach ausmacht: der Verein hat aktive Jungen und Mädchen, Männer und Frauen zwischen 5 und 60 Jahren, alle fesch herausgeputzt und nicht zu überhören.
Wir freuen uns auf den Umzug mit unseren Gästen zum Mathaisemarkt 2010!
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RNZ von Samstag/Sonntag, 6./7. März 2010
Die Welt, wie sie in ihm ankommt
Frank Panse zeigt seine Bilder bei der Mathaisemarktausstellung - Gestern wurde sie eröffnet
Von Nadja Müller
Schriesheim. Wenn man genau hinschaut, blickt man in ein Auge, das aus einer torsoartigen Farbfläche herausstarrt. Und auf einmal geht von dem so farbenprächtigen Bild Frank Panses eine düstere Wirkung aus. Wie sich die Seheindrücke nach und nach entblättern, schichten sich auch die Farben übereinander: Panse bricht diese Ebenen auf, wenn die Farbe noch feucht ist, ritzt sie und legt frei, was darunter zum Vorschein kommt. Auf diese Weise erhalten seine meist großformatigen Bilder eine überraschende Tiefenwirkung, auch wenn er ansonsten ohne Perspektive und nahezu ohne die Darstellung von Raum auskommt.
Romy Schilling führte gestern Abend in die Mathaisemarktausstellung ein und die Gäste der Vernissage an Panses Werk heran. „Er ist ein leidenschaftlicher Maler, er ringt um die Idee" - und das zeige sich konsequent in seinen Bildern, die organisch wachsen und nur auf den ersten Blick abstrakt sind. In dem Gewirr von Pinselspuren und Farbflächen finden sich Umrisse, die an Hände erinnern, an Körper und Köpfe. Wiederholt ragen zwei oder drei Körper stelenhaft in die Höhe, klar abgegrenzt vom Hintergrund.
Werke, die den Betrachter regelrecht ins Bild hineinziehen, formulierte es Schilling und verwies auf die organischen Formen und leuchtenden Farben. „Ich male die Welt, wie sie in mir ankommt", sagte Panse selbst, der „angenehm überrascht" war von der Atmosphäre und der Art der Ausstellung. Seine Arbeiten fanden übrigens nicht zum ersten Mal den Weg nach Schriesheim: 1995 stellte Panse schon im „Strahlenburger
Hof" aus. Damals wie heute hat Kunsthändler und Mäzen Peter Bausback den Kontakt hergestellt.
Und so reiht sich Schriesheim als Ausstellungsort ein zwischen Taiwan, Michigan oder Rumänien. Dort stellte Panse aus, als die Mauer gefallen und er Schillings Worten zu folge „nicht mehr zu halten war". Zuvor hatte er in der DDR als Restaurator gearbeitet, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, doch befreit habe er sich in der Malerei.
„Aus Freude zur Freude" ist seine Ausstellung in Schriesheim überschrieben, und solche wünschte Schilling abschließend den Besuchern der Vernissage. Es ist die letzte, die sie organisiert hat. Nächstes Jahr laufen die Fäden der Mathaisemarkt-ausstellung bei Elsbeth Lang zusammen. Schilling: „Eine spannende Aufgabe, ich kann's dir sagen!" |

| RNZ von Samstag/Sonntag, 6./7. März 2010
Sie öffneten die Stadt
für moderne Kunst
Schriesheimer des Jhhres sind Dr. Ingrid und Dr. Franz Neumann
Schriesheim. (nam) Nachdem sie es zunächst frei versucht hatten, kramten Dr. Ingrid und Dr. Franz Neumann schließlich doch noch die Zettel hervor, die sie bei ihrer beider Dankesworte unterstützen sollten: Beide wurden gestern bei der Vernissage der Mathaisemarktausstellung vom Kulturkreis (KKS) zu den Schriesheimern des Jahres ernannt. KKS-Vorsitzender Albert Kesseler begründete, warum die Wahl auf die Neumanns gefallen war.
Beide setzen sich seit 25 Jahren mit Einblick, Ausblick und Überblick - alle drei fehlen heute manchmal, so Kesseler - ein für die Kunst in Schriesheim. Die Neumanns kannten den Künstler Théo Kerg persönlich und überzeugten seinerzeit Bürgermeister Peter Riehl, ein Museum mit den Werken Kergs in die Schriesheimer Kulisse einzufügen und die Stadt so für moderne Kunst zu öffnen. „Kunst drängt nach Öffnung und Öffentlichkeit", so Kesseler, sei auf der anderen Seite aber auch ein schützenswertes Gut.
Ihre private Förderung lebt vom Engagement einzelner, die die existenzielle Bedeutung von Kunst erfahren haben und weitergeben wollen. In den Neumanns hat der Kulturkreis solche Menschen gefunden.
„Danke, dass Sie das für Schriesheim geschaffen haben, der Weg war wahrlich nicht immer einfach," wandte sich Kesseler an die beiden.
Dr. Ingrid Neumann gab den Dank zurück; bei ihr habe der Hauptanteil des Engagements gelegen, meinte ihr Mann in seiner kurzen Ansprache. Und stellte fest: „Erfolg ist das Ergebnis der Einstellung." |

Mathaisemarkt-Kunstausstellung: Aus Freude zur Freude -
unter diesem Titel wird Frank Panse expressive, kraftvolle Arbeiten im Haus der Feuerwehr den Mathaisemarktbesuchern präsentieren. Unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Hansjörg Höfer wird die Ausstellung am 5. März um 18 Uhr eröffnet.
Katalogzitat: Frank Panse malte in seinem Atelier in Dresden einen Zyklus großformatiger Bilder, die er aus Freude an Farben und deren Wirkung zur Freude des Betrachters schuf. Aus den handwerklichen Erfahrungen in der Zeit der Restaurierungen in Dresden ist sein Werk geprägt. Er gehörte zu dem Team der damaligen DDR Restauratoren, die es verstanden, in alter Technik die Malereien der Semper Oper wieder in den heutigen Glanz zu versetzen. Diese Zeit der gezwungenen Erfahrung brachte Frank Panse ein tiefes Empfinden im Umgang mit Farben. Frank Panse gibt sich dem ungefilterten Farben- und Gefühlsrausch hin, bevor er ordnend eingreift. Mit malerischer Poesie spürt er die Zustände und Befindlichkeiten auf, die vom Betrachter assoziativ erfasst werden müssen. Er überlässt dem Betrachter das eigene Empfinden der Formen- und Farbenwelt, oft gibt er seinen Bildern keinen Titel. Der gezeigte Zyklus strahlt diese Formen und Farbenwelt aus und ist das Ergebnis seines Schaffens. Aus Freude zur Freude, die Farben sind leuchtend, strahlend, freudig und trotzdem in wunderbarer Harmonie.
Während der Markttage sind Besucher samstags von von 12 - 19 Uhr, sonntags von 11 - 18 Uhr sowie am Montag, Dienstag und Freitag von 16-19 Uhr herzlich willkommen.
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Mathaisemarkt-Kunstausstellung
KKS-Ausstellung zum Mathaisemarkt mit Bildern von Frank Panse
Die Vernissage zur Ausstellung ist am Freitag, 5. März, um 18 Uhr, im Haus der Feuerwehr. Geöffnet ist die Schau samstags von 12 bis 19 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie montags, dienstags und freitags von 16 bis 19 Uhr. Ausstellungsende ist am 14. März.
Eine "Notlösung" ist Frank Panse nicht
Nach der Absage von Prof. Albrecht Rissler stellt der Dresdner Künstler bei der Mathaisemarkt-Kunstausstellung des KKS aus
Schriesheim. Von Stephanie Kuntermann
Neuer Künstler der Mathaisemarkt-Kunstausstellung wird der Dresdner Maler Frank Panse sein. Gestern gab er dem Veranstalter, dem Kulturkreis (KKS), seine Zusage für die Ausstellung. Panse springt damit kurzfristig ein für den nach zahlreichen internen Querelen abgesprungenen Maler und Grafiker Prof. Albrecht Rissler.
Eine „ Notlösung" ist Panse damit keinesfalls, obwohl die Entscheidung sehr kurzfristig fiel: „Wir hatten ihn schon längere Zeit im Visier", sagt Organisatorin Romy Schilling gestern im Gespräch mit der RNZ. Im Herbst auf die Werke Panses aufmerksam geworden, hatte Schilling angeregt, ihn für die KKS-Ausstellung im nächsten Jahr anzufragen. Nun wird schon ein Jahr früher etwas aus diesem Plan. Dass er derzeit unter dem Titel „Aus Freude zur Freude" in der Mannheimer Galerie Bausback ausstellt und Schilling dort einen Blick auf seine Werke werfen konnte, schadete sicher auch nicht.
Konnte man sich bei Rissier auf kontemplative Naturbeobachtungen im realistischen Stil einstellen, so erhält die Ausstellung mit Panse jetzt ein ganz anderes Gesicht. Farbenprächtige, abstrakte Gemälde mit teilweise imposanten Ausmaßen ziehen in seinem Oeuvre die Blicke auf sich. „Es sind tolle Bilder, sie sprechen zu einem“, sagt Schilling und schwärmt von leuchtenden Farben und
ansteckender Leidenschaft seiner im expressiven Stil gemalten Sujets. Der studierte Theatermaler hatte 1972 seine erste Ausstellung in Dresden, war aber auch als Kunst-Restaurator tätig. So restaurierte er Reliefs, Bilder und Wandmalereien in der Dresdner Semperoper und machte sich als Spezialist im Umgang mit alten Farben und Pigmenten einen Namen. So will Schilling denn auch Panses Kunst als zweigleisig verstanden wissen: Als die des stets eng am Original arbeitenden Restaurators ebenso wie die des völlig frei gestaltenden Künstlers, der auf seinen Erfahrungen mit den alten Meistern aufbaut.
Mal in Acryl, mal in Mischtechnik mit Kreide, Acryl und Tusche auf Karton oder Leinwand gemalt, strahlen die Werke mit Titeln wie „Der Traum" oder „Der Puppenspieler" in ihrer schillernden Farbigkeit tatsächlich viel Lebensfreude aus. „Leider wissen wir im Moment noch nicht, ob der Künstler selbst bei der Vernissage anwesend sein kann", bedauert Schilling. Auch die musikalische Gestaltung des Abends ist derzeit noch nicht ganz in trockene Tücher gebracht. „Aber wir arbeiten daran", bemerkt auch Schillings Mitstreiterin Elsbeth Lang, die die Organisation der Ausstellungen ab dem kommenden Jahr übernimmt. Sicher ist, dass auch im „zweiten Anlauf" Bürgermeister Hansjörg Höfer die Schirmherrschaft übernimmt und dass auch bei der Panse-Vernissage die „Schriesheimer des Jahres", Dr. Franz und Dr. Ingrid Neumann, geehrt werden sollen. Im nächsten Jahr will der KKS allerdings von dieser Konzeption abgehen und die Ehrungen wie früher bei der Dreikönigsmatinée durchführen. „Schließlich soll bei einer Vernissage der Künstler im Mittelpunkt stehen", bemerkt Lang.
Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos, Besucher können auch Werke des Künstlers erwerben. Frank Panse wurde 1942 im sächsischen Pethau geboren, studierte Theatermalerei in Dresden und ist heute als Mitglied des Sächsischen Künstlerbundes freischaffend tätig. |

RNZ von Freitag, 12.Februar 2010
Höfer steht zum Kerg-Museum
Das sagte er bei der höchst gelungenen KKS-Matinée "Ajoi" - Avantgardistisches und Jazziges von Jutta Glaser und Claus Boesser-Ferrari
Schriesheim. (sk) Wer bei „Ajoi" an Spaghetti mit Knoblauch denkt, hat nicht richtig gelesen. Ganz falsch liegt man aber auch nicht, wenn man in das Wort, das gleichzeitig auch der Titel der neuen CD von Jutta Glaser und Claus BoesserFerrari ist, etwas Kulinarisches hinein denkt. Schließlich hat das Wort keine Bedeutung im engeren Sinne. Es steht vielmehr für die wortlosen und trotzdem silbenreichen Sätze im Gesang Jutta Glasers, der von Boesser-Ferrari mit der Gitarre begleitet wird. Die beiden Künstler präsentierten in ihrem Programm „Ajoi" im Museum Tho Kerg einen Querschnitt aus dem Album, ergänzten ihre Auswahl aber auch durch andere Stücke.
Für den Veranstalter, den Kulturkreis (KKS), war diese Matinee die erste öffentliche Veranstaltung in diesem Jahr, zu der Museumsleiterin Lynn Schoene die zahlreichen Gäste begrüßte. Bürgermeister Hansjörg Höfer nutzte die Gelegenheit, den KKS in der aktuellen Diskussion um die Bilder Kergs noch einmal seiner Unterstützung zu versichern: „Die Stadt steht voll hinter dem Museum Théo Kerg. Würden wir hinter alle dort geleisteten Arbeitsstunden jeweils einen Betrag in Euro setzen müssen, wäre es für die Stadt nicht mehr finanzierbar."
Danach verließen Künstler und Publikum relativ schnell das Reich der Worte und wandten sich der Kunst zu. „'Ajoi', das bedeutet auch: Wo die Worte aufhören, da beginnt die Musik", erklärte denn auch Glaser. Dann übernahm ihre wandlungsfähige Stimme, die vom Scatgesang und Jazz über Avantgarde bis zum traditionellen alt-englischen Liedgut den verschiedensten musikalischen Spielarten etwas ganz Eigenes abgewinnen konnte.
Ebenso eigenwillig war Boesser-Ferraris Gitarrenspiel. Mal virtuos und perlend in den schnelleren Soli, mal bedächtig bis meditativ, lotste der musikalische Grenzgänger schon die „klassischen" Spielbereiche bis an die Grenzen aus. Mit Kratzen und schmerzhaftem Reiben über die Seiten seines Instruments, mit Klopfen, oder Trommeln weitete er dessen Klangspektrum manchmal bis über das übliche Maß aus, manchmal setzte er zur Unterstützung gar einen Trommelstock oder einen kleinen Handventilator ein. Im Stück „Teatro Amazonas" etwa entstand allein durch das Streichen mit der ganzen Hand über die Saiten die Illusion eines von zahllosen Tieren bevölkerten Dschungels, unterstützt vom Gurren, Zwitschern und Grunzen, das Glasers Stimme hinzufügte. Die Übergänge zu den ruhigen, meditativen Tonfolgen waren fließend, und bald lauschten nicht wenige Zuhörer gebannt und mit geschlossenen Augen. Eine ähnliche Wirkung hatte die Vertonung von William Blakes Gedicht „Mad Song", bei dem zusätzlich eine indische Shrutibox zum Einsatz kam, deren Dauertöne einen dichten Klangteppich bildeten, über dem Glasers Stimme in einer äußerst beruhigenden Tonlage schwebte.
Das Avantgarde-Stück „Lost and Found" war dagegen das reinste Sammelsurium an Tönen, Stimmlagen und Stilen. Mal kicherte, knurrte oder wimmerte die Stimme der Vokalistin zur Gitarrenbegleitung, mal hörte sie sich an wie eine quietschende Tür. Nicht immer kamen die höchsten Töne allerdings von der Bühne. Ab und zu mischte sich auch die neun Monate alte Clara aus dem Publikum ein und steuerte verhaltene Obertöne bei. Zu Wutgebrüll ließ sich die kleine Vokalistin allerdings nicht hinreißen, fand sie doch augenscheinlich Gefallen an der Musik. Nicht nur sie. Wer den Blick über die Reihen des Publikums schweifen ließ, sah an diesem Morgen nur zufriedene bis verzückte Gesichter. |

Matinée im Museum Théo Kerg: Sonntag, 7. Februar 2010, 11 Uhr
>Ajoi< Jutta Glaser - Gesang - und Claus Boesser-Ferrari - Gitarre
Das Thema >Ajoi< steht für alles, wofür es keine Worte zu finden gibt.
Wo die Worte aufhören, da beginnt die Musik und genau setzen die beiden Ausnahmemusiker an, um das musikalische Gespräch, die Erzählkunst, die spontane Improvisation für sich neu zu erfahren.
In den Klanglandschaften, die sie durchstreifen, wachsen neben impulsiven Grooves und bizzaren Soundcollagen auch melodische Bögen und Orte von annähernder Stille.
Jutta Glaser ist hierzulande eine wohlbekannte Vokalistin, die laut JAZZPODIUM von vollstem Babygebrabbel bis Soul alles in ihrer Stimme parat hat und mit ihrer ausdrucksstarken, manchmal sogar akrobatischen Stimme aus jedem Stück ein unverwechselbares Unikat macht. In wunderbarer Weise fängt sie Stimmungen wie in einem Klanggemälde ein.
Claus Boesser-Ferrari, der seit vielen Jahren in der ganzen Welt vor allem solistisch unterwegs war, bewahrte sich seine sehr eigenwillige erzählerische Art Gitarre zu spielen.
Zitat: Fernab von allen gängigen Wiederholungsformen hat sich hier ein merkwürdiger Erzählstil entwickelt, spannend wie Märchen mit unverhofften Wendungen und unsicherem Ausgang (Olshausen FAZ) In flirrenden Klangkaskaden oder raffinierten, percussiven Grooves kommen die Kompositionen daher.
Der Kulturkreis mit dem Museum Théo Kerg lädt mit Jutta Glaser und Claus Boesser-Ferrari zu einer Matinée ein, die von Themen vieler musikalischer Richtungen von William Blake und alten irischen Stücken bis Fleedwood Mac zu eigenen Kompositionen gespeist, zu einem völlig eigenständigen Gebilde wird. Getragen von Inspiration und Improvisationk können die Zuhörer ein wichtiger Teil der Szenerie werden. |


RNZ von Donnerstag, 01.Januar 2010
Als Mozart sich unter „Bestien" wähnte
Barbara Baun und Philippe Huguet lebten bei der Dreikönigsmatinee des Kulturkreises den» Traum von Paris" mit Werken aus jener Zeit
Schriesheim. (sk) „Wenn hier ein Ort wäre, wo die Leute Ohren hätten, Herz zum empfinden, und nur ein wenig etwas von der Musique verstünden, und Gusto hätten, so würde ich von Herzen zu allen diesen Sachen lachen, aber so bin ich unter lauter Vieher und Bestien (was die Musique anbelangt)." Diese Zeilen schreibt der 22-jährige Mozart aus Paris.
„Der Traum von Paris" war der Titel der Dreikönigsmatinee, die der Kulturkreis gestern im Saal des Restaurants „Goldener Hirsch" veranstaltete. Die Gestaltung übernahm das Pfälzer Künstler-Paar Barbara Baun und Philippe Huguet, sie mit meisterhaft gespielten Sonaten, Variationen und einem Menuett aus Mozarts Feder, er mit der Rezitation eines eigenen Textes über die Parisreise. Verpackt hatte der Schauspieler und Autor seine Prosa in die Form eines Briefs an Mozart.
Erste Parisreisen 1763 und 1766, die das Wunderkind mit Vater und Schwester unternahm, wurden ein voller Erfolg, die Kinder spielten sogar in Versailles. „Ganz Paris lag dir damals zu Füßen", resümierte Huguet. So widmete Mozart auch die Sonate KV 7 Prinzessin Victoire, der zweiten Tochter des Königs. Eigentlich für Violine und Klavier komponiert, lässt sich das dreisätzige Stück auch solo spielen, wie Baun es tat. Die dritte Parisreise sollte an diese Erfolge anknüpfen. Als „Aufpasser" kam Mutter Mozart mit, im März 1778 gelangten sie nach Paris. Mozarts Wunsch, in Paris eine französische Oper zu schreiben, erfüllte sich nicht. Offen bleibt bis heute, ob das an Intrigen unter den Musikerkollegen lag oder daran, dass Mozart kein Interesse hatte, sich einer der beiden rivalisierenden Musikrichtungen - den Anhängern Glucks oder Piccinis - anzuschließen. So wandte er sich zunächst der Kammermusik zu. Baun spielte seine Sonate KV 330, die zwar zu den technisch weniger anspruchsvollen Werken aus dieser Zeit zählt, deren dritter Satz aber eines seiner bekanntesten Werke ist.
Bauns flüssige, spielerische Interpretation war ein Genus. Neben einer freien Variation über ein Thema Glucks gehörte auch die Abwandlung des französischen Lieds „Ah, vous dirai-je, Maman", dem Publikum geläufiger als Melodie von „Morgen kommt der Weihnachtsmann", zu den Pariser Klavierwerken. Auf den Kontakt zu den anderen Pariser Musikern ging Huguet ein. „Sie ahnen deine Überlegenheit", mutmaßt er. Leider kam das Drama der Paris-Reise, der Tod von Mozarts Mutter Maria Anna, viel zu kurz. Krankheit, Sterben und Delirium der Mutter wurden nicht erwähnt, auch nicht, was es für den jungen Mann bedeuten musste, seine Mutter allein in einer fremden Stadt beerdigen zu lassen.
Musikalischer Höhepunkt war dann die Sonate KV 332, die einen gereiften Künstler offenbarte, dessen Ausdrucksformen die Beschränkungen hinter sich zu lassen begannen. Jeweils unterbrochen von Rezitationen, präsentierte Baun souverän das große Klavierwerk. Im September 1778 verließ Mozart Paris. Musikalischer Schluss des Konzerts war das Menuett KV 355, das nicht mehr in Bezug zur Reise stand, wurde es doch vermutlich 1789 komponiert. Da hatte Mozart die französische Hauptstadt hinter sich gelassen und kehrte auch nie mehr dorthin zurück. Ob das am fehlenden „Gusto" der Pariser lag, blieb allerdings offen.
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KKS-Dreikönigsmatinee: Der Traum von Paris
Am 6. Januar 2010 startet der KKS sein neues Programm mit der Dreikönigsmatinee um 11 Uhr im Saal des Goldenen Hirsch mit einem außergewöhnlichen literarisch-musikalischem Programm, in dem Barbara Baun Klaviersonaten und Variationen von Mozart im Wechsel mit der Rezitation eines persönlichen Briefes des Sprechers Philippe Huguet an den Komponisten zu Gehör bringen werden. In diesem Brief wird der Aufenthalt Mozarts im Jahre 1778 in Paris aus französischer Sicht unter die Lupe genommmen.
Am 23. März 1778 kommt Mozart in Paris an - voller Hoffnung und Erwartungen. Am 27. September 1778 verläßt er die französische Hauptstadt - tief enttäuscht und gedemütigt. Was ist in dieser kurzen Zeit geschehen? Warum wurde der französische Traum zum Albtraum? Fragen, die bis heute keine endgültigen Antworten bekommen haben.
Die deutsche Konzertpianistin Barbara Baun und der französische Schauspieler Philippe Huguet begeben sich gemeinsam auf den Spuren Mozarts nach Paris. In einem persönlichen Brief an den Komponisten werden die Hintergründe dieses misslungenen Unternehmens eingehend untersucht. Diese fundierte, spannende, unterhaltsame und virtuose Auseinandersetzung mit der Begegnung zwischen Mozart und Paris entstand im Auftrag der Mozart-Gesellschaft Kurpfalz.
Barbara Baun studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Die Pianistin wird regelmäßig von der Mozart-Gesellschaft Kurpfalz als Solistin zu Orchesterkonzerten und Klavierabenden eingeladen. Seit 1989 ist sie Dozentin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim.
Philippe Huguet studierte Operngesang an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Heidelberg-Mannheim. Er arbeitet als Sänger, Schauspieler, Regisseur sowie als Autor. Zur Zeit ist er mit seinen Chanconprogrammen "Brel" und "Paris-Amsterdam" in Deutschland auf Tour.
Eine literarisch-musikalische Reise auf den Spuren Mozarts: Begleiten Sie Barbara Baun und Philippe Huguet und freuen Sie sich schon jetzt auf diese außergewöhnliche Dreikönigsmatinee am 6. Januar 2009 im Saal des Goldenen Hirsch.
Im Namen des Vorstandes wünsche ich allen Mitgliedern und Freunden des Kulturkreises frohe Weihnachtstage und ein gutes Jahr 2010!
Allen, die uns bei unseren Veranstaltungen helfen und unterstützen, danken wir nach einem prallen KKS-Programm 2009 ganz herzlich.
Jochen Wähling |

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