Dreikönigsmatinee 2018

Erstellt von Nicoline Pilz, Rhein-Neckar-Zeitung, 09.01.2018 | |   Nachlese 2018

Großes Kino für die Ohren

Schriesheim. (nip) Der Kulturkreis Schriesheim (KKS) begann das neue Jahr mit einem Kracher, besser gesagt, mit einem Hochkaräter: Heike Matthiesen, eine der wenigen klassischen Sologitarristinnen aus Deutschland, bezauberte ihr Publikum im großen Saal der katholischen Kirchengemeinde vom ersten bis zum letzten Ton mit einem so unprätentiösen wie empathischen Spiel. Die gebürtige Braunschweigerin und Diplom-Gitarristin kam ohne große Gesten, dafür jedoch mit einer wunderbar ansteckenden Spielfreude daher, die in ihrer Natürlichkeit begeisterte.

Konzentriert, handwerklich perfekt, ohne jedoch glatt zu sein, gefiel Matthiesens Darbietung ohne Wenn und Aber. Bei der Dreikönigsmatinee des Kulturkreises präsentierte die Musikerin eine feine Auswahl spanischer Barockmusik von Komponisten wie Fernando Sor, Isaac Albéniz und Enrique Granados sowie eine pfiffige Auswahl an kurzen Stückchen von Gaspar Sanz, der 1674 das erste Lehrwerk von Bedeutung für die fünfchörige Barockgitarre schrieb.

Leidenschaft, Temperament und Dramatik verbindet man allgemein mit dem spanischen Barock. Da sei es durchaus zur Sache gegangen, nämlich zumeist mit "Wein, Weib und Gesang", erzählte Matthiesen zwischendurch in einer ihrer kompakt-informativen Ansagen. Doch das die Spanier auch albernden Zirkusclowns gleich verrückte Noten zu Papier bringen konnten, das war neu und zugleich sehr erfrischend zu hören.

Eingebettet in lediglich zwei Harmonien, die ein wenig Wiener Schmäh in sich trugen, hatte Francisco Tárrega, der innovative Begründer der neuen spanischen Gitarrenschule, in "Gran Jota Aragonesa", einem großen Rundtanz, zahlreiche Kunststückchen verpackt: Man müsse sich das so vorstellen, dass jeder Mittänzer ins Rund trat, um etwas vorzuführen, erklärte Gitarristin Matthiesen. Das war ganz großes Kino für die Ohren, belohnt von diversen "Bravo"-Rufen und langem Applaus.

Bereits im Vorfeld hatte sich der Vorstand des Kulturkreises um Gabriele Mohr-Nassauer auf diesen Vormittag gefreut. Zu Recht, wie die Zuhörer befanden. Musikerin und Verein waren gleichermaßen glücklich über die Resonanz auf dieses Konzert, das seinem Publikum zwei glückliche Stunden bescherte. Begonnen hatte Matthiesen mit einem "eingeschmuggelten" Mozartstückchen. Die baue sie gerne ins Programm, verriet sie mit einem Augenzwinkern. Aus der berühmten Oper "Zauberflöte" grüßte Papageno, eifrig bemüht, seine Gefangennahme durch Monostratos zu verhindern. Bekannte Klänge auch bei Isaac Albéniz´ packender Hommage an die Region "Asturia" im Nordwesten Spaniens, wobei fraglos deutlich wurde, weshalb selbst dem Komponisten und Pianisten seine eigenen Werke besser auf der Gitarre als auf dem Klavier gespielt gefielen: Saitenweise gab´s hier einfach mehr Emotion und Tiefe.

Mit Manuel de Fallas "Homenaje" hatte Matthiesen das einzige Werk des Künstlers für Gitarre solo ins Programm genommen, eine so sensible wie expressive Komposition, gefolgt von dem nicht minder brillanten "L´Alhambra" von Maria Dolores de Goni, in Europa eher unbekannt geblieben, in den USA hingegen gefeiert.

Ihre deutsche Nachfolgerin Heike Matthiesen würdigte mit ihrer Programmauswahl das Schaffen de Gonis zu einer Zeit, als Rezensenten deutlich ihre Vorbehalte gegen die Gitarre als "sentimentales" Instrument äußerten, "beschränkt, schäbig, dumm". Um zum Ausdruck zu bringen, welch klanglich farbenreiches Instrument die Gitarre sein kann, ein Instrument, das man vielseitig bespielen und sogar als Cajón benutzen kann, dafür war Heike Matthiesen am Samstagmorgen in Schriesheim die beste Botschafterin.

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