Mathaisemarkt-Kunstausstellung 2018

Erstellt von Dieter Weitz | |   Nachlese 2018

Reisen - Mannheimer KünstlerInnen unterwegs

Arbeiten aus dem Depot der Künstlernachlässe Mannheim

 

Kuratoren: Lynn Schoene und Tom Feritsch

Eröffnung: Freitag, 2. März 2018, um 17:00 Uhr im Haus der Feuerwehr

Einführung mit dem Vorstand der Mannheimer Künstlernachlässe

Ausstellungsdauer: bis Sonntag, 11. März 2018

 

Mittlerweile sind es weit mehr als 1.000 Werke, die die Künstlernachlässe Mannheim, eine seit 2005 außerordentlich aktiven und spezialisierten Initiative, verwaltet. Dabei liegt der Hauptfokus darauf, das Schaffen angesehener Mannheimer Künstlerinnen und Künstler als herausragendes Zeugnis der Kultur-, Stadt- und Zeitgeschichte Mannheims und der Region für die Öffentlichkeit präsent zu halten.

Eine viermonatige Ausstellung in den Räumen des Mannheimer „Club Speicher7“ mit Arbeiten aus dem Depot der Künstlernachlässe sorgte im letzten Jahr für viel Aufmerksamkeit: „Reisen – Mannheimer KünstlerInnen unterwegs“. Diese beeindruckende Retrospektive auf das künstlerische Schaffen wichtiger Künstler, die in der Stadt lebten, deren Werk mitunter durch prägende Wahrnehmungen aus anderen Ländern, durch Licht und Luft fremder Regionen beeinflusst wurde, kommt nun im Rahmen der diesjährigen Mathaisemarkt-Kunstausstellung nach Schriesheim.

Reisen und Künstler – ein klassisches Thema. So wie Handwerker, Kaufmannsöhne und die Söhne der Adeligen und Patrizier auf „Tour“ gingen, waren auch die Künstler unterwegs, oft in unterschiedlichen Funktionen: Peter Paul Rubens reist 1636 mit hochrangigen englischen Diplomaten an Rhein, Main und Donau um die Zerstörungen des 30jährigen Kriegs im Bild festzuhalten. James Cook hat auf allen seinen Weltreisen auch Künstler an Bord, um die Stationen und Entdeckungen der Reise festhalten.

Im 20. Jahrhundert treten dann endgültig die individuellen Aspekte als Reiseanlass in den Vordergrund: Eugene Delacroix fährt nach Nordafrika und hält mit seinen Arbeiten das Exotische fest, das damals en vogue ist. Paul Gaugin zieht sich in den 1890er Jahren nach Tahiti zurück. Und am bekanntesten wird die berühmte Tunisreise von Paul Klee August Macke und Louis Moilliet (1914).

Auch die Künstler der Künstlernachlässe Mannheim sind gereist. Nicht immer in exotische Gefilde und die Arbeiten, die sie mit zurückbringen, sind vielleicht nicht so aufregend, wie die Tunesien-Aquarelle von Macke und Klee. Aber auch sie hat das Reisen beeinflusst. Und bei einigen lässt sich klar aufzeigen, dass das Unterwegssein neue Perspektiven und künstlerische Sichtweisen hervorbringt.

 

Norbert Nüssle (1932 – 2012) beginnt in den 1970er Jahren eine Serie der Ortsdurchfahrten: „Die Straßen nach Paris“: Die ungewöhnlichen Collagen zeigen den Charakter des Unterwegsseins, der Fahrt in Nüssles geliebte Bretagne, auf inspirierte Weise.

Reisen, unterwegs sein, ist für Will Sohl (1906 – 1969) essentiell. Die Landschaft der Insel Sylt wird entscheidend für seine expressive Aquarellkunst, ebenso seine Reisen nach Island 1966 und auf die Lofoten. Von einer Reise rund um das Mittelmeer kommt er 1955 mit außergewöhnlichen Aquarellen zurück, von denen wir einige in der Ausstellung zeigen.

Jedes Mal, wenn Peter Schnatz (1940 – 2004) unterwegs ist, veränderte sich sein Stil. Die ersten Eindrücke von Lanzarote führen zu seinen schwarzen Bildern, eine Reise in die Toskana 1995 bringt eine ganze Serie an Ölbäumen hervor, ob in Öl gemalt, gezeichnet oder gedruckt.

Hans Graeder (1919 – 1998)  kommt als Soldat im Zweiten Weltkrieg sehr weit herum, sieht viel, vor allem nicht nur schöne Dinge. Und diese Eindrücke verarbeitet  er sein Leben lang in seiner Kunst.

Ein Beispiel für Reisen, die erst in die weite Ferne führen und dann in das Innere, sind die Arbeiten von Gabriele Dahms (1944 – 1999). In Asien lernt sie den Taoismus kennen, der ab diesem Zeitpunkt zentral für ihr Arbeiten wird.

Franz Schömbs (1906-1976) ist kein klassisch Reisender. Wenn er unterwegs war, und das war er sehr viel, dann nur in eigener Sache, weil er Mitstreiter für seine Filmideen in der jungen Bundesrepublik sucht. Aber eine Reise nach Santorini im Sommer 1960, hat einige ungewöhnliche Spuren hinterlassen.

Paul Löfflers (1920 – 1995) Zeichnungen, Grafiken, Gemälde und Aquarelle belegen seine absolute Meisterschaft. Wenn er unterwegs ist – auch wenn es nur der Mannheimer Hafen ist -  hat er immer Skizzenbuch und Aquarellblock immer dabei. Seine Faszination von New York hält er Anfang 1960er Jahre in beeindruckenden Aquarellen fest.

Ilana Shenhavs (1931-1986) bewegtes Leben - von Theresienstadt über Israel nach Mannheim – ist zentrales Thema ihrer Arbeiten, oft unruhig, fast bedrohlich wirkend scheinen sie eine Art Mischung aus den Erlebnissen ihrer Lebensreise und der Suche zu einem Weg nach Innen.

Die klassischen Ziele der 1950er Jahre: Schweiz, Italien, Gardasee. Und Trude Stolp-Seitz (1913-2004) nutzt diese Reisen zum Arbeiten. Wo immer möglich, malt sie, wenn es sein muss auf dem Kofferraumdeckel des Autos. Souverän geht sie dabei mit Farbe und Form um.

 

Samuel Johnson, englischer Gelehrter, bemerkte bereits vor gut 250 Jahren, dass der Sinn des Reisens darin bestehe, „…unsere Phantasien durch die Wirklichkeit zu korrigieren…“ und er empfahl, statt sich „…die Welt vorzustellen, wie sie sein könnte…“, sie zu sehen wie sie ist.

Vielleicht waren es auch diese Gedanken, die von den 9 Mannheimer Künstlern in ihren Arbeiten aufgegriffen und an der Staffelei kreativ umgesetzt wurden…

 

Rund 30 ihrer anregendsten Werke stehen im Zentrum der Mathaisemarkt-Kunstausstellung 2018.

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