"Räume, die keine sind" Sonderausstellung mit Werken von Nicola Barth und Pilar Colino

|   Nachlese 2019

Die Künstlerinnen Pilar Colino und Nicola Barth eröffnen poetische Bildräume im Museum Théo Kerg in Schriesheim.

Von Julia Behrens, Rhein-Neckar-Zeitung, Feuilleton

Schriesheim. "Treppe ins Ungewisse", "Bitte um Weltweite", "Verlassene Orte" - so und anders klingen die Werktitel in der poetischen Gemeinschaftsausstellung "Räume, die keine sind" von Nicola Barth und Pilar Colino im Museum Théo Kerg in Schriesheim.

Die Kuratorin und Leiterin des Hauses, Lynn Schoene, kennt beide Künstlerinnen schon lange und zeigt ihre Bilder und Zeichnungen nun zum ersten Mal im Dialog. Obwohl sich Pilar Colino eher gegenständlich orientiert und Nicola Barth vor allem abstrakt arbeitet, verbindet sie, dass sie sich auf besondere Weise mit der Spannung zwischen den realen Gegebenheiten des architektonischen Raums und den fiktionalen Dimensionen des gemalten Raums auseinandersetzen.

Nicola Barth studierte Germanistik, Theater- und Filmwissenschaften in Frankfurt und entdeckte dann später - durch die Entwicklung und Beschäftigung mit unterschiedlichen Textformen und Erzählstrukturen - auch die Bildsprache für sich. Mit ihrer teils fließend, teils gestisch eingesetzten Malerei, schafft sie, wie sie selbst sagt, Momentaufnahmen von Entwicklungsprozessen.

Und die Arbeiten, die in Schriesheim vor allem in erdigem Braun, mineralischem Anthrazit und leuchtendem Grün in Erscheinung treten, wirken tatsächlich so, als seien sie in einer Art raumartiger und zeitlicher Ausdehnung begriffen und als solche nur ein Ausschnitt übergeordneter Zusammenhänge.

Auch in ihrer digital bearbeiteten Foto-Reihe "Wesen in Räumen, die keine sind" löst Barth sämtliche Koordinaten auf: Von Figuren bleiben nur Schemen, von Interieurs höchstens Frag-mente. Bewusst verleiht die Künstlerin dem Unsichtbaren Nachdruck, in dem sie Sichtbarkeit ausradiert.

Bei Pilar Colino ist auf den ersten Blick mehr zu "erkennen", da die gebürtige Spanierin eigene Aufnahmen von Landschaften, Gebäuden und Objekten per Siebdruck in ihre Gemälde und Collagen überträgt. In variantenreicher Schichtung kombiniert Colino, die sich nach einem abgeschlossenen Jurastudium für die Kunst entschied, Darstellungen von alten Bauernhäusern, verfallenen Minen oder stillgelegten Fabriken mit einer dynamischen Malerei in gebrochenen Farben. Gerade im Vordergrund schwingen und kreuzen sich oft Linien, die an Rohre oder Leitungen erinnern. Sie bilden einen Kontrast zu den mit Geschichte behafteten Orten auf der Leinwand und verleihen dem Ganzen eine surreale Note.

In ihrer neuen blaufarbigen Bilder-Serie, die Pilar Colino speziell für die Ausstellung in Schriesheim geschaffen hat, entwirft sie eine weniger divergente Atmosphäre, spielt aber mit dem Gegensatz zwischen Innen und Außen: Pittoreske, frei stehende Fassaden oder Möbel, die verloren in der Landschaft sitzen, markieren ihrerseits "Räume, die keine sind".

Zurück