Schriesheim jazZt 2019

Erstellt von Dieter Leder, Mannheimer Morgen | |   Nachlese 2019

Jazz, Jubel und ein Junggesellen-Abschied

08. Juli 2019 Autor: Dieter Leder

Zugaben bis tief in die Nacht gab es von der SRH-Bigband, die das Publikum vor dem Alten Rathaus mit Standards, verjazztem Rock und virtuosen Soli warm spielte. © Leder

Sechs Bands, die unterschiedlicher in Stil und Spiel nicht sein konnten, lockten unzählige Menschen in die Altstadtgässchen der Stadt: Die 14. Auflage von „Schriesheim jazzt“ wurde mit großartigem Wetter und gut gelaunten Besuchern verwöhnt. Nach der Begrüßung am Alten Rathaus ging es los in eine laue Sommernacht, in der geschlemmt, getanzt, gefeiert und gesungen wurde.

„Es ist eine Ode an Schriese“, kündigte der Dirigent der SRH-Bigband vor dem Rathaus eines der ersten Stücke an. „Dear Old Schriese“ hieß es: Besucher, die die Band bereits aus früheren Jahren kannten, wollten sich das nicht entgehen lassen und richteten sich gleich gemütlich ein im Kaffeehaus. Sie wurden nicht enttäuscht, die Musiker gaben richtig Gas. Schon nach den ersten Takten hatten sie ihre Fans fest im Griff, und die swingten im Takt mit. Dann gab es noch ein musikalisches Bonbon für alle Babysitter: „Mr. Sandman“ war all denen gewidmet, die nicht mitfeiern konnten, sondern Kinder hüten mussten.

Drei Musiker und drei Instrumente reichten Voxemble aus, um die Gäste im Hof des Strahlenberger Hofes mit Jazz, Pop und Gospel glücklich zu machen. Fast schon familiär war die Stimmung, die Michael, Susan, Louis und Emma Leibfried erzeugten; den ganzen Abend über war es hier voll, schöne Balladen und schöne Stimmen zogen immer wieder Publikum an. Auch die El Ville Blues Band im evangelischen Kirchgarten verstand es, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen: Bodenständiger Blues mit Rock und Soul sorgte dort für prächtige Stimmung.

Erwähnenswert Saxophonist Michael Steiner, der schon mit allen Größen der Region gejazzt hat. Lightshy ließen den Goldenen Hirsch tanzen. Glücklich, wer es in den proppenvollen Innenhof schaffte: Dort warteten süd- und mittelamerikanisches Flair und Musik, mal sanft zum Dahinschmelzen und Träumen, mal rhythmisch zum Tanzen – sofern das in der Enge und Hitze der Nacht ging.

Ins Schwitzen kamen auch die Mitarbeiter an den Getränke- und Essensständen. Nicht nur wegen der hohen Temperaturen, sondern auch wegen der zahlreichen hungrigen und durstigen Besucher, weshalb die feinen Tröpfchen vom Weingut Max Jäck oder der Winzergenossenschaft reißenden Absatz fanden.

Die Band bleibt stecken

Vor dem Zehntkeller sorgten En Haufe Leit für Partystimmung. Auch diese Formation war schon letztes Jahr mit dabei, und auch sie hatte ihre Fans, die sich schon wieder auf die Musiker um die stimmgewaltige Sängerin Maike Heisel freuten. Und dann gab es noch einen Junggesellenabschied. Lisann werde im August in Schriesheim heiraten, „genau in der Kirche hinter der Bühne“, wie eine ihrer Freundinnen verriet. Vom Picknick in Ladenburg kam die Gesellschaft direkt zum kleinen Jazzfestival und lauschte vom Geländer des oberen Schulhofes der gut aufgelegten Band.

Wie viele andere zogen auch sie nach dem Set weiter in die Oberstadt, zum Geheimtipp und Highlight des Abends, dem Jordan-Weiss-Quartett. Bei Gypsy-Swing kochte der Diehm-Hof, dass auch Bandleader Jordan Weiss seine Freude hatte; er betonte: „Wir machen mit Leib und Seele Musik.“ Er kannte Urgestein Django Reinhardt noch persönlich, und mit Bobeye Reinhardt zupft ein Enkel des legendären Geigers Schnuckenack Reinhardt den Bass im Quartett.

„Wir spielen den Jazz unverfälscht, so ganz original“, bemerkte Jordan Weiss. Das Publikum tobte und forderte Zugabe um Zugabe, am Ende gab es Standing Ovations, ihre Stars wollten die Zuhörer nicht so einfach gehen lassen. In der Tat hatten sie es gar nicht so leicht, wieder weg zu kommen: Die Fahrzeuge der Band blieben später im dichten Gewühl vor dem Kaffeehaus stecken, wo noch lange die Post abging.

Denn hier endet „Schriesheim jazzt“ traditionell. Wohl wissend um die Sperrstunde fragte der SRH-Bandleader das Publikum, ob es vor Ort einen Polizeiposten gebe. Als ihm ein „Nein“ entgegen schallte, legten die Musiker großzügig ein paar Zugaben nach, darunter eine Jazzversion von Led Zeppelins „Stairway to heaven“. „Ein letztes Lied“ gab es schließlich, das knappe zehn Minuten dauerte und in Riesenapplaus mündete.

Damit war die Party im Ort aber noch lange nicht vorbei: Überall wurde die laue Sommernacht gefeiert. Mit oder ohne Jazz.

© Mannheimer Morgen, Montag, 08.07.2019

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